Panorama

Freiwillig in die Atomruine Rentner wollen Fukushima retten

Am Boden des Reaktorgebäudes 1 in Fukushima werden Strahlenwerte von zwei Millionen Becquerel pro Kubikmeter gemessen. Eine Gruppe von 200 Rentnern will freiwillig dort arbeiten. Als ein Kamikaze-Kommando sehen sie ihre Mission nicht an.

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Mit primitiven Mitteln gegen ein Hightech-Desaster: Um eine Verteilung radioaktiv belasteten Materials durch Wind oder Regen zu verhindern, werden die Reaktoren von Fukushima mit Kunstharz besprüht.

(Foto: dpa)

Eine Gruppe von mehr als 200 japanischen Pensionären hat sich freiwillig gemeldet, um gegen die nukleare Verseuchungsgefahr in der Kernkraftwerk-Ruine Fukushima vorzugehen. Die Gruppe nennt sich "Ausgebildeter Veteranen Korps" und besteht aus pensionierten Ingenieuren und anderen Fachleuten, die alle älter als 60 Jahre sind. Sie wollen nicht, dass sich die jungen Arbeiter der Gefahr im Reaktor aussetzen.

Als ein Kamikaze-Kommando sehen sich die Rentner jedoch nicht an. "Wir versuchen alle Risiken zu vermeiden", sagte das Gruppenmitglied Yasuteru Yamada in einem Interview der BBC. Die meisten der Mitglieder hätten nicht mehr länger als zehn bis 15 Jahre zu leben, meinte Yamada. Daher würden sie sich auch nicht vor einer Krebserkrankung fürchten: "Die bricht erst später aus."

Derweil macht in Fukushima hoch radioaktiv verstrahltes Wasser weiter Probleme. Wie die Betreibergesellschaft Tepco mitteilte, wurde im Wasser am Boden des Reaktorgebäudes 1 radioaktives Caesium mit Strahlenwerten von zwei Millionen Becquerel pro Kubikmeter gemessen. Es wird vermutet, dass das radioaktive Material von den geschmolzenen Brennstäben im Reaktor stammt und aus dem Druckbehälter austritt.

Rasch steigender Wasserstand bereitet Sorge

Angesichts der beginnenden Regenzeit bereitet vor allem der rasch steigende Wasserstand Sorge. Wie der staatliche Sender NHK berichtete, steigt das Wasser in den Turbinengebäuden von Reaktor 2 und 3 mittlerweile um drei bis vier Millimeter pro Stunde, seit am Sonntag die ersten schweren Regenfälle in der Region eingesetzt hätten. Die Frage der Entsorgung ist nach wie vor ungelöst. Es wird befürchtet, dass erneut verstrahltes Wasser ins Erdreich oder ins Meer gelangen könnte.

Tepco hatte Mitte Mai die Installation einer Anlage angekündigt, mit der radioaktive Substanzen aus dem Wasser in den Gebäuden gefiltert und das Wasser zugleich zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt werden soll. Die Anlage dürfte aber erst im Juli betriebsbereit sein.

Das radioaktive Wasser, das zur Kühlung der Reaktorbehälter in die Gebäude gepumpt wird, macht den Betreibern seit Beginn der Katastrophe Schwierigkeiten. Unter anderen konnte das reguläre Kühlsystem der Anlage nicht repariert werden, da ein Einsatz der Arbeiter in den überfluteten Bereichen zu gefährlich ist.

Das Atomkraftwerk Fukushima eins war durch das Erdbeben und den folgenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden. Seither tritt Radioaktivität in die Umwelt aus. Es ist die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa