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"Sex und Schmerz gehören zusammen" Richter verhöhnt Vergewaltigungsopfer

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(Foto: imago/Ralph Peters)

In einem Vergewaltigungsfall fragt ein Richter das Opfer: "Warum konnten Sie Ihre Beine nicht geschlossen halten?" Den mutmaßlichen Täter spricht er dagegen frei - und wird sogar Bundesrichter. Jetzt muss er um seinen Job bangen.

Robin Camp, ein angesehener kanadischer Bundesrichter muss wegen unangebrachter Äußerungen gegenüber einem Vergewaltigungsopfer um seinen Job bangen. Wie die BBC berichtet, soll der "Canadian Judicial Council" in einer Anhörung darüber entscheiden, ob Camp aus dem Amt enthoben werden soll. Es geht um einen Fall aus dem Jahr 2014, als der Richter noch bei einem Provinzgericht in Calgary tätig war.

In dem Verfahren ging es um die mutmaßliche Vergewaltigung einer Obdachlosen. Die 19-Jährige soll bei einer Hausparty im Badezimmer von Alexander W. vergewaltigt worden sein. Camp fragte das Opfer, so steht es in einer Mitschrift des Prozesses: "Warum haben Sie nicht einfach Ihren Hintern Richtung Becken bewegt, sodass er Sie nicht penetrieren konnte?"

Den Geschlechtsverkehr stufte Camp als "Fehltritt" des Angeklagten ein. Als die Frau erzählte, dass sie körperliche Schmerzen verspürt habe, entgegnete Camp: "Sex und Schmerz gehören manchmal zusammen. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes." Vielleicht sei der Angeklagte etwas rau gewesen, aber "Sex ist sehr oft eine Herausforderung", erklärte Camp den Staatsanwälten.

Das mutmaßliche Opfer stritt ab, dass es den Sex gewollt habe, doch Richter Camp antwortete darauf: "Warum konnten Sie Ihre Beine nicht geschlossen halten?" Die Frau habe nur entgegnet: "Ich weiß es nicht." Daraufhin wendete sich Camp wieder an die Staatsanwälte: "Warum hat die Klagende den Sex erlaubt, obwohl sie es nicht wollte?" Sie habe W. nach einem Kondom gefragt, führte Camp weiter aus. Für den Angeklagten sei die Schlussfolgerung gewesen: "Wenn du ein Kondom hast, bin ich glücklich." Mit einer Belehrung, Frauen nicht zu verärgern, sprach der Richter W. am Ende frei.

Richter bereut und will dazulernen

Ein Berufungsgericht kassierte zwar später die Entscheidung. Das änderte aber nichts daran, dass Camp zum Bundesgericht befördert wurde und seitdem große Macht innerhalb des kanadischen Rechtssystems innehat.

Bei der Anhörung wird ihm unter anderem vorgeworfen, sein Denken basiere auf Stereotypen und der Geringschätzung der Rechte von Vergewaltigungsopfern.

Laut BBC hat Camp inzwischen mit Psychologen und Experten zum Thema sexueller Missbrauch zusammengearbeitet. Er ließ außerdem mitteilen, dass er alles dafür tue, sich zu verbessern und dazuzulernen. Bis zum Ende der Anhörung darf der Richter keine weiteren Fälle verhandeln.

Quelle: n-tv.de, dsi

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