Panorama

"Medienspektakel und Augenwischerei" Rocker schließen Friedenspakt

Nach den teils schweren und blutigen Auseinandersetzungen zwischen "Hells Angels" und "Bandidos" erwägen mehrere Bundesländer ein Verbot derartiger Gruppierungen – offenbar Anlass für die rivalisierenden Rockergangs, ihren Bandenkrieg offiziell für beendet zu erklären. Polizei und Politiker halten den "Friedensschluss" lediglich für eine taktische Maßnahme.

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Frank H. (l), Präsident des Hells Angels Charters Hannover, und der Vizepraesident der Bandidos in Europa, Peter M.(r), reichen sich unter den Augen von Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg die Hand.

(Foto: APN)

Die verfeindeten Rockergruppen Hells Angels und Bandidos haben ihren internen Bandenkrieg offiziell für beendet erklärt - unmittelbar vor den Beratungen der Innenminister über ein bundesweites Verbot der Banden. In Anwesenheit eines Anwalts in einer Kanzlei in Hannover reichten sich Abgesandte der Gangs symbolisch die Hand. Zuvor hatten Vertreter der Gruppierungen ein Abkommen zur Beendigung ihres Konflikts unterzeichnet.

Auslöser der Verbotsdiskussion war der tödliche Schuss eines Hells-Angels-Mitglieds auf einen Polizisten in Rheinland-Pfalz im März. Auch in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern war es zwischen den Rockerbanden immer wieder zu Gewaltexzessen und Bluttaten gekommen. Dabei soll es unter anderem um die Vormachtstellung beim Drogenhandel und im Rotlichtmilieu gegangen sein. Erst im April waren im Norden zwei Vereine der "Hells Angels" und "Bandidos" verboten worden.

Die Ressortchefs von Bund und Ländern wollen sich am Donnerstag und Freitag in Hamburg auf ihrer turnusmäßigen Innenministerkonferenz (IMK) auch mit der Rockerkriminalität befassen. Mehrere Länder hatten sich für ein bundesweites Verbot der Banden ausgesprochen.

Minister rechnet nicht mit schnellem Verbot

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rechnet jedoch nicht mit einem schnellen bundesweiten Verbotvon "Hells Angels" und "Bandidos": "Das erwarte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht." Die öffentliche Diskussion darüber sei kontraproduktiv. "Die hilft nur den Rockergruppen selber." Er betonte, ein Verbot sei keine grundsätzlich politische Entscheidung.

Für ein Verbot müsse bewiesen werden, dass Straftaten von den Rockergruppen ausgehen. "Das ist nicht überall gegeben. Und bei einem bundesweiten Verbot muss auch nachgewiesen werden, dass es klare Führungsstrukturen gibt, dass die Ortsgruppen miteinander verbunden sind", erklärte Schünemann.

Misstrauen gegenüber "Friedensschluss"

Den "Friedensschluss" zwischen den "Hells Angels" und den "Bandidos" bewertete der Innenminister skeptisch. In der Vergangenheit hätten solche Pakte nur wenige Wochen gehalten. "Ich werte das im Moment eher als Medienspektakel", sagte Schünemann.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sieht den Rockerfrieden als "reine Augenwischerei". "Wir gehen auch weiterhin von der Gefährlichkeit der Rockerbanden und der damit verbundenen kriminellen Energie in diesem Milieu aus. Wir müssen hier deutlich Flagge zeigen und diesem Phänomen entschieden entgegentreten."

Auch Polizeiliche Ermittler beobachten den Pakt mit großer Skepsis. "Wir werden sehen, ob in diesem Umfeld keine Straftaten mehr geschehen, ob es im Bereich Drogenhandel und Menschenhandel einen Rückgang geben wird. Das müsste ja zwangsläufig der Fall sein", sagte Bernhard Witthaut, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. "Ich halte diesen Friedensschluss im Hinblick darauf, dass die Innenminister über ein Verbot beraten wollen, letztlich für eine taktische Maßnahme."

Quelle: n-tv.de, dpa

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