Panorama
Sichtbar für fast acht Millionen Hongkonger: Das Logo der Gruppe.
Sichtbar für fast acht Millionen Hongkonger: Das Logo der Gruppe.
Freitag, 10. Oktober 2014

Mission Impossible für Profis: Roofer hacken Werbetafel auf Wolkenkratzer

Von Julian Vetten

Wenn "On the roofs" losziehen, brauchen auch die Zuschauer Nerven aus Stahl: Die beiden Russen erklimmen ohne Sicherung und ziemlich illegal die höchsten Gebäude der Welt. Ihr neuester Stunt geht sogar noch einen Schritt weiter.

Video

Hongkongs Skyline ist ein überwältigender Anblick. 77 Wolkenkratzer überragen die chinesische Metropole um mehr als 200 Meter. Mit seinen 201 Metern Höhe rangiert das China Online Centre eher an der unteren Skala spektakulärer Hongkonger Hochhäuser - wäre da nicht diese gigantische Werbetafel auf dem Dach, die 24 Stunden am Tag ihre Videobotschaften in den Milllionenmoloch ausstrahlt. Sie ist das perfekte Ziel von Witali Raskalow und Wadim Makorow.

Die beiden jungen Russen haben sich in den vergangenen Jahren einen beinahe schon legendären Namen in der Roofer-Szene gemacht. Roofer, das sind diese verrückten Typen, die ohne Sicherung an allem hochklettern, was ihnen in die Quere kommt. "On the roofs",wie sich Raskalow und Makorow zwischenzeitlich nennen, haben in ihrer kurzen Karriere unter anderem schon absurd hohe russische Brücken, die Pyramiden von Gizeh und die Baustelle des zweithöchsten Gebäudes der Welt bestiegen. Vor allem die aberwitzig riskante Kraxelei am Shanghai Tower sorgt schon beim Zuschauen für schweißnasse Hände.

"What's up Hong Kong?"

"What's up Hong Kong?"
"What's up Hong Kong?"

Was also machen zwei Adrenalinjunkies, denen selbst akrobatische Einlagen 650 Meter über dem Boden nicht mehr den nötigen Kick geben? Richtig, sie suchen nach neuen Grenzen - und da kommt eine überdimensionierte Werbetafel in der Hongkonger City wie gerufen. "On the roofs" neuestes Video ist etwas mehr als vier Minuten lang und könnte so auch direkt aus einem Agententhriller stammen: Ein vierköpfiges Team streift mit der GoPro auf dem Kopf durch das pulsierende Leben auf Hongkongs Straßen, betritt schließlich die Lobby des Online Centres und nimmt den Lift nach oben. Nach dem letzten für Besucher erreichbaren Stockwerk geht es über ein enges Treppenhaus und eine Leiter weiter, bis die Jungs schließlich auf dem Dach stehen.

Ein paar Selfies und Panoramaaufnahmen später folgt der eigentliche Coup: Die vier Vermummten verschwinden in den Innereien der Werbetafel, finden den Computer, der die ausgestrahlten Videos steuert und spielen über einen mitgebrachten Laptop eigenes Material auf den Rechner. Sekunden später können fast acht Millionen Hongkonger das Video von der Besteigung des Shanghai Towers sehen. "What's up Hong Kong?" fragen 20 mal 40 Meter hohe weiße Lettern auf schwarzem Grund, gefolgt vom "On the roofs"-Logo. Applaus, Abklatschen und dann schnell wieder runter, bevor die Sicherheitskräfte aufmerksam werden. Im Treppenhaus tauschen die Jungs ihre "Roofer"-Klamotten mit braven Hemden und spazieren aus dem Online Centre, als könnten sie kein Wässerchen trüben.

Bloß die Panoramaaufnahme nicht vergessen.
Bloß die Panoramaaufnahme nicht vergessen.

Die ganze Aktion ist dermaßen professionell aufgezogen, die Bilder so gewaltig, das Video so durchkomponiert, dass nicht nur Ehrfurchtsbezeugungen in der Kommentarleiste auftauchen: "Wie viel hat Euch Hongkong gezahlt, damit ihr Werbung für die Stadt macht?", wundert sich einer - und die Frage scheint durchaus berechtigt. Zusammen mit der virtuellen Stadtführung zu Beginn und den atemberaubenden Bildern der Skyline vermittelt die Botschaft an der Tafel den Eindruck einer extrem coolen Stadt. Bessere Reklame könnte sich Hongkong kaum wünschen.

Beeindruckende Außenaufnahmen per Drohne

Gegenüber der Online-Plattform Mashable allerdings beharren die Kletterer darauf, die Idee nur für sich selbst entwickelt zu haben und ohne Erlaubnis des Besitzers das China Online Centre bestiegen zu haben. Dafür spricht das erweiterte Team, das die beiden Russen diesmal dabei hatten: Das Video trägt ganz klar die Bildsprache von Regisseur und Kameramann Nikolai Scheludovitsch, Arseni Katschaturan steuerte professionelle Fotos bei und die beeindruckenden Außenaufnahmen entstanden mit einer Drohne, gesteuert von Lau Fat Hing Hercules. Allesamt sind schon länger in der Szene unterwegs.

Außerdem haben "On the roofs" ihre Sponsoren bislang immer offen angegeben: Die Reisen zu exotischen Zielen finanziert ihnen ein russisches Flugunternehmen, während sie von bekannten Herstellern mit Funktionskleidung ausgestattet werden.

Aber Sponsoring hin, Sponsoring her, gewonnen haben in diesem Fall eh alle: "On the roofs" wegen einer weiteren spektakulären Aktion, Hongkong wegen einzigartiger Bilder - und die Zuschauer mit ihren schweißnassen Händen sowieso.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de