Panorama

Nach längerer Krankheit Rut Brandt gestorben

Rut Brandt ist tot. Die zweite Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt starb am Freitag nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren in Berlin. Das teilte ihr Sohn Matthias der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mit. Rut Brandt soll in Berlin beigesetzt werden.

Sie wurde am 10. Januar 1920 als Rut Hansen in Hamar in Norwegen geboren. Währen der Nazizeit war sie im Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv. 1944 lernte sie den emigrierten Willy Brandt kennen. 1948 heiraten beide. Aus der Verbindung gingen die Söhne Peter, Lars und Matthias hervor. 1980 wurde die Ehe geschieden.

An der Seite Willy Brandts erlebte Rut dessen politischen Aufstieg mit. In Willy Brandts Amtszeit als Berlins Regierender Bürgermeister von 1957 bis 1966 fiel der Mauerbau. 1969 wurde Willy Brandt erster SPD-Bundeskanzler, 1974 trat er zurück. Politisch hielt sich Rut Brandt zurück. Auch nach der Trennung kritisierte sie ihren Ex-Mann nicht. In ihren Erinnerungen "Freundesland" schrieb sie nur, nach der Scheidung habe Willy kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Ein Kritiker nannte sie eine "großherzige Biografin von Willy Brandt".

Später lebte Rut Brandt 22 Jahre mit dem dänischen Journalisten Niels Norlund zusammen, zeitweilig auch in Kopenhagen. Norlund starb 2004. Rut Brandt zog vor zwei Jahren in ein Altenheim in Berlin.

SPD-Chef Kurt Beck erklärte: "Der Tod von Rut Brandt erfüllt die deutsche Sozialdemokratie mit Trauer. Sie war eine großartige 'First Lady'. Zeit ihres Lebens war sie auch eine kluge Botschafterin ihres Heimatlandes Norwegen." Rut Brandt habe in idealer Weise die besonderen Tugenden der europäischen Sozialdemokratie verkörpert. Die SPD trauere "um eine weltoffene, liebenswürdige Frau".

Als Weggefährte und Freund der Familie Brandt sagt Berlins früherer Regierender Bürgermeister Klaus Schütz (SPD): "Rut Brandt war eine der liebenswertesten Frauen, mit denen meine verstorbene Frau und ich zu Beginn der 50er Jahre zusammen waren. Mich hat damals schon beeindruckt, mit welcher Güte und mit welcher Unaufdringlichkeit sie Willy Brandt umgeben hat."

In der für Dienstag in vielen Zeitungen geplanten Traueranzeige wird es nach Agentur-Informationen heißen: "Ein ereignisreiches, erfülltes Leben ging zu Ende." Darüber ein Satz des norwegischen Literaturnobelpreisträgers, Dichters, und Politikers Björnstjerne Björnson: "Es gibt Sonne genug, es gibt Acker genug. Hätten wir nur der Liebe genug."

Quelle: n-tv.de