Panorama

Ein Ehrenmal für den Teufel? Satanisten provozieren in Oklahoma

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Ein auf den Kopf gestelltes Pentagramm: Das Logo der Satanisten.

(Foto: thesatanictemple.com)

Wie weit reicht die Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten? Im US-Bundesstaat Oklahoma wollen Teufelsanbeter dem Fürsten der Finsternis an prominenter Stelle ein Denkmal errichten - ihre Chancen stehen theoretisch nicht schlecht.

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Naive Skizze als Vorschlag für die Behörden in Oklahoma: So stellt man sich beim "Satanischen Tempel" den Teufel vor.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mit diesem Plan stellen Teufelsanbeter die religiösen Toleranzgefühle in der US-Öffentlichkeit vor eine harte Belastungsprobe: In den USA wollen Satanisten eine Statue des Satans vor dem Parlamentsgebäude von Oklahoma in Oklahoma City aufstellen.

Wie die "Los Angeles Times" berichtete, stellten Mitglieder eines sogenannten "Satanischen Tempels" einen Entwurf für die Statue im Internet vor und reichten gleichzeitig auch einen entsprechenden Antrag bei den Behörden ein. Wohl oder übel müssen sich die offiziellen Stellen in Oklahoma nun mit dem Vorschlag auseinandersetzen - und im Fall einer Ablehnung eine juristisch unanfechtbare Entscheidung finden.

Die mehr als zwei Meter hohe Figur mit Widderkopf, Antilopenhörnern, Löwenmaul, langem Bart und Flügeln soll nach dem Willen der Befürworter auf einem Thron sitzen, umringt von zwei selig lächelnden Kindern. Brisant ist vor allem der geplante Standort: Nach dem Willen der Tempelanhänger soll die Statue in der Hauptstadt des Staats Oklahoma an zentrale Stelle vor dem Kapitolsgebäude errichtet werden - direkt neben einer Tafel mit den biblischen Zehn Geboten.

Konkurrenz der Konfessionen

Mit ihren Plänen zur Errichtung eines eigenen Denkmals für ihre religiösen Ansichten demonstrieren die Vertreter dieser satanistisch verbrämten Strömung innerhalb des breit gefächerten religiösen Lebens in den USA wachsendes Selbstbewusstsein. Die zu erwartende Aufregung ist genau kalkuliert: Mit ihrem Schritt in die Öffentlichkeit dürften die Satanisten christlich-fundamentalistische Kreise massiv provozieren.

Der Vorstoß der angeblichen Satansjünger kommt allerdings nicht aus heiterem Himmel. Die selbst ernannten Satanisten reagieren damit auf die Installation eines christlich orientierten Monuments auf dem Parlamentsgelände. Seit 2012 ragt dort eine etwa zwei Meter hohe Steintafel in den Himmel, die eine historisierende Darstellung der Zehn Geboten aus dem Alten Testament zeigt. Die Errichtung auf öffentlichem Grund hatte eine breite gesellschaftliche Debatte um die Religionsfreiheit in den USA ausgelöst. In der US-Verfassung ist die strikte Trennung von Staat und Kirche fest verankert.

Bürgerrechtler, Juristen und Verfassungsexperten sehen hier eine wichtige Grenze überschritten: Der Staat Oklahoma könne keiner einzelnen Religion den Vorzug geben, lautet ihre Argumentation. Eine Sonderstellung für das Christentum sei vor diesem Hintergrund unzulässig. Wenn vor dem Parlamentsgebäude Platz für eine bestimmte Glaubensrichtung ist, müsse der Staat auch Monumenten anderer religiöser Auffassungen und Vorstellungen Raum geben.

Genau hier setzen die vorgeblichen Satanisten an: "Sie haben gesagt, dass sie offen sein wollen für verschiedene Monumente", erklärte Tempel-Sprecher Lucien Greaves im Gespräch mit CNN. "Und das hier scheint der perfekte Platz zu sein, dieses Versprechen auf den Prüfstand zu stellen."

"Hommage an Satan"

Inhaltlich geht es New Yorker Gruppierung "The Satanic Temple", die hinter dem ungewöhnlichen Begehren steht, also um alles andere als um eine okkulte Anbetung dunkler Mächte. "Die Mission des Satanischen Tempels ist es, die Mildtätigkeit und das Mitgefühl unter allen Menschen zu bestärken. Darüber hinaus begrüßen wir praktischen gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeit", heißt es in einer Selbstdarstellung der Gruppe, die offiziell als organisierter Religionsgemeinschaft auftritt, sich informell allerdings eher der politischen Provokation verschrieben hat.

Tempel-Sprecher Greaves bezeichnet die Statue als "Hommage an Satan". Sie solle auch als Sitzmöglichkeit dienen: "Menschen jeden Alters können zur Inspiration und Einkehr auf Satans Schoß sitzen." Nach seinen Worten wäre die Statue neben den Zehn Geboten vor allem eine "komplementäre Ergänzung" und ein Beitrag zur Religionsvielfalt in den USA. Die Gruppe beruft sich ausdrücklich auf die US-amerikanische Verfassung, die verbietet, dass der Staat eine Religion bevorzugt.

Der "Tempel" setzt sich also vor allem dafür ein, die verfassungsrechtlich verankerte Trennung von Staat und Kirche auch in der Praxis durchzusetzen. Daneben beweisen die Sataniker profunde Kenntnisse von den Wirkungsmöglichkeiten moderner Medien. Denn die zur Finanzierung der Statute benötigten Mittel sammelte der "Tempel" per Spendenaufruf im Internet ein. Über die Crowd-Funding-Plattform Indigogo kamen innerhalb eines Monats deutlich mehr als die erforderlichen 20.000 Dollar (rund 16.000 Euro) zusammen.

Etwas mehr als 900 Spender ließen sich bislang dazu bewegen, das Anliegen mit Beträgen zwischen 1 und 50 Dollar zu unterstützen. Sie können nun auf eine Vergütung in Form von T-Shirts, Aufklebern oder Tassen hoffen. Wer volle 1000 Dollar spendet, erhält von den Satanisten zusätzlich eine Mitgliedsurkunde im Rahmen mit Wachssiegel. Die Kampagne läuft noch bis 17. Januar.

Autoaufkleber und Kaffeebecher

Um ihre Ziele zu verwirklichen, nutzt der "Satanische Tempel" nicht nur die Mittel digitaler Massenkommunikation, sondern setzt auch auf Marketinginstrumente wie etwa das klassische Merchandise. Über die tempeleigene Internetseite vertreiben sie verschiedene Produkte mit dem in Blutrot und Schwarz gehaltenen Logo der Gruppe. Anhänger und Unterstützer können zwischen den nicht nur in den USA beliebten großformatigen Autoaufklebern für 3 Dollar, dezenteren Ansteckern für 5 Dollar oder einem satanischen Kaffeebecher für 20 Dollar wählen.

Der demonstrative öffentliche Auftritt ist tief im Selbstverständnis der satanisch-satirischen Freidenker verankert. An der US-Ostküste hatten die Anhänger des "Tempels" zuvor bereits versucht, mit einer bewusst provokanten Aktion öffentliche Aufmerksamkeit auszulösen. Im US-Bundesstaat New York beteiligen sich die Satanisten an dem staatlichen Programm "Adopt a Highway" (etwa: "Adoptieren Sie ein Stück Fernstraße"). Bei diesem Aufruf kommunaler Behörden können Unternehmen, Privatpersonen und Organisationen die Müllbeseitigung auf einem bestimmten Straßenabschnitt übernehmen. Im Gegenzug erhalten Teilnehmer unter anderem eine steuerabzugsfähige Bescheinigung der entstehenden Kosten und eine öffentlichkeitswirksame Werbetafel vor Ort.

Besonders originell ist der Ansatz, sich mit einem Monument ins öffentliche Bewusstsein der USA zu rücken, allerdings nicht. Angesichts der Zehn-Gebote-Tafel im Stadtzentrum von Oklahoma City hatten sich zuvor bereits verschiedene Vertreter großer Religionen, religiöse Splittergruppen sowie Tierrechtsaktivisten um ein eigenes Denkmal ihres Glaubens beworben - darunter auch Anhänger der "Kirche des fliegenden Spaghetti-Monsters".

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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