Panorama

"Schlimmer als 'Exxon Valdez'" Scharfe Vorwürfe gegen BP

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An einer Fernstraße südlich von Belle Chasse in Louisiana.

(Foto: AP)

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko verschärft die US-Regierung ihren Ton gegenüber BP deutlich. Ultimativ klingt die jüngste Aufforderung an den Konzern, alle Informationen zum Ölunfall publik zu machen. Derweil werden die Auswirkungen des Unglücks immer deutlicher.

Einen Monat nach dem Bohrinsel-Unglück im Golf von Mexiko gerät der Ölmulti BP wegen seiner Informationspolitik immer mehr unter Druck. Der Konzern setzte sich halbherzig gegen Vertuschungsvorwürfe zur Wehr. Die angegebenen 5000 Barrel pro Tag seien nur eine grobe Schätzung gewesen, sagte ein Sprecher in London. Zudem sei die Menge des aus einem defekten Bohrloch abgepumpten Öls auf 2000 Barrel nach 5000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag gefallen. "Der Ausstoß verändert sich, er ist nicht konstant", sagte BP-Sprecher John Curry.

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Wie viel Öl genau täglich ins Meer sprudelt, ist ungewissen.

(Foto: Reuters)

Der in schwerer Kritik stehende Konzern hatte zuvor mitgeteilt, er pumpe 5000 Barrel pro Tag aus dem defekten Bohrloch ab - was bedeuten würde, dass genau die Menge auf Schiffe umgeladen wird, die nach BP-Schätzungen täglich entweicht. Diese Zahl wird von einigen Wissenschaftlern angezweifelt, die von bis zu 70.000 Barrel am Tag ausgehen. BP selbst räumte ein, "nicht alles austretende Öl" aufzufangen. US-Senatorin Barbara Boxer sprach von einer Verschleierung der wahren Menge. "Es passt einfach nicht", sagte die Vorsitzende des Umweltschutz-Ausschusses dem Sender CNN und verwies auf Bilder vom Bohrloch, die im Internet zu sehen sind.

BP erklärte, seine Ingenieure arbeiteten eng mit US-Wissenschaftler zusammen, um das Ausmaß des ausströmenden Öls zu ermitteln. "Ich verstehe die Frustration", sagte BP-Operationschef Doug Suttler dem Fernsehsender CBS. "Wir bemühen uns, die Daten so schnell wie möglich weiterzugeben."

Verheerender als Alaska-Katastrophe

Einige Forscher sind mittlerweile der Auffassung, dass die Katastrophe größere Ausmaße als das "Exxon Valdez"-Unglück von 1989 vor Alaska angenommen hat. Außerdem befürchten sie, dass ein Teil des Ölteppichs bis zur Inselgruppe Florida Keys und nach Kuba geschwemmt werden könnte.

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An den Stränden Louisianas wird das Öl eingesammelt.

(Foto: Reuters)

Der Druck auf BP ist immens. Fernsehbilder zeigten, wie Öl in die Sümpfe Louisianas schwappte. An der südlichen Spitze des Mississippi-Deltas verschmutzte eine tiefrote Öl-Schicht kilometerweit die Küste. "Dort ist alles tot", sagte Billy Nungesser, der Vorsteher der Gemeinde, bei NBC. Der Ölteppich zerstöre das Schwemmland Zentimeter für Zentimeter und werde in den kommenden Wochen und Monaten weiter an die Küste gespült.

Chemikalie Corexit jetzt verboten

Die Washingtoner Umweltbehörde korrigierte sich inzwischen in einem anderen Punkt selbst: Sie verbot entgegen einer früheren Entscheidung BP die weitere Anwendung der Chemikalie Corexit 9500 zum Zersetzen des Öls unter Wasser. Dafür wurde dem Konzern eine Frist von 72 Stunden eingeräumt. Noch am Freitag sollte BP der EPA eine weniger giftige Alternative zu dem bisher verwendeten Mittel nennen, heißt es in einer entsprechenden Anordnung der Behörde. Zuvor hatten Kongressmitglieder und Umweltschützer Alarm geschlagen: Sie befürchten, dass Corexit langfristige Umweltschäden verursacht.

"Top kill" bis Sonntag

Die Hoffnungen auf eine Wende im Kampf gegen die Ölpest konzentrieren sich nun auf einen zunächst für Sonntag geplanten BP-Versuch, das Bohrloch zu schließen. Bei der geplanten Methode, die Experten als "Top kill" bezeichnen, werden große Mengen schweren Schlamms unter hohem Druck in die Quelle gepresst. Anschließend soll sie mit Zement endgültig abgedichtet und "versiegelt" werden.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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