Panorama

BP wusste von massiven Problemen Schlamm soll Ölloch stopfen

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Dutzende Kilometer Küste sind bereits verseucht.

(Foto: REUTERS)

Der Kampf gegen die Ölpest geht in die nächste Runde: Die Aktion "Top Kill", bei der Schlamm in die Ölquelle gepumpt wird, läuft an. Das Ergebnis ist völlig offen. Wie nun herauskommt, wusste BP schon vor der Explosion von "sehr großen Abnormalitäten". US-Präsident Obama will nun die Regelungen für Ölbohrungen im Meer deutlich verschärfen.

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Das Öl klebt überall.

(Foto: AP)

Der Ölkonzern BP will mit dem Verstopfen der seit Wochen sprudelnden Ölquelle anfangen. "Sobald die Teams wach sind, werden sie mit ihrer Arbeit beginnen", sagte BP-Sprecher Robert Wine in London. Am frühen Nachmittag will BP tausende Liter Schlamm pro Minute in die Ölquelle pumpen, um den Ölfluss zu stoppen.

Das als "Top Kill" bezeichnete Verfahren ist bislang noch nie in solcher Tiefe ausprobiert worden. "Wir können nicht garantieren, dass es wirklich funktioniert", sagte Wine. Insgesamt werde die Prozedur etwa zwei Tage dauern. Genaue Aussagen zum Erfolg des Manövers seien dann jedoch noch nicht möglich.

Sollte der Versuch schief gehen, ist BP nach eigenen Angaben auf einen zweiten Anlauf vorbereitet. Ein BP-Plan sieht beispielsweise vor, statt des Schlamm-Beschusses anderes Material wie Gummi in das Sicherheitsventil pumpen. Auch so könnte der Ölfluss gestoppt oder zumindest minimiert werden. Möglich wäre auch, beide Varianten miteinander zu kombinieren.

"Sehr große Abnormalitäten"

Unterdessen ist herausgekommen, dass BP offenbar schon vor der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" Hinweise auf massive Probleme auf der Plattform gehabt hatte. Wenige Stunden vor der Detonation hätten Drucktests in einem Bohrloch "sehr große Abnormalitäten" ergeben, wie aus einer veröffentlichten Notiz von zwei US-Abgeordneten hervorgeht, die von dem Unternehmen über interne Untersuchungen informiert worden waren. Zudem habe es Probleme bei der Ausstattung für Notfälle gegeben.

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Das empfindliche Ökosystem an der Küste auf Jahre verseucht.

(Foto: AP)

BP hat sich bisher noch nicht zu der Mitteilung der beiden Politiker geäußert, die einem Ausschuss zur Untersuchung der Katastrophe angehören. Der Konzern hat zusammen mit Transocean "Deepwater Horizon" betrieben. Bei der Explosion vor etwa fünf Wochen waren elf Menschen ums Leben gekommen. Seit dem Untergang der Bohrinsel strömen Unmengen Öl ins Meer aus und bedrohen sensible Umweltsysteme an den US-Küsten.

BP weist Vorwürfe zurück

Kritik am Vorgehen im Kampf gegen die Ölpest weist BP energisch zurück. "Alles, was getan werden kann, wird getan", sagte Vorstandschef Carl-Henric Svanberg der britischen Zeitung "Financial Times". Er wies auch Forderungen zurück, wonach die US- Regierung ermächtigt werden soll, die Beseitigung der Umweltschäden zu beaufsichtigen.

Dem Energiekonzern müsse bei der Schließung des Lecks vertraut werden. "Unser künftiger Ruf hängt ganz davon ab, ob wir mit Erfolg das Leck stopfen und die Reinigung bewältigen." Der Unfall sei eine "sehr, sehr wichtige Lernaufgabe für BP und die gesamte Industrie", sagte der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef.

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Das Öl sprudelt und sprudelt.

(Foto: AP)

Die US-Meeresforscherin Riki Ott warf BP zudem vor, fahrlässig mit der Gesundheit der angeheuerten Fischer umzugehen. "Die Fischer haben keine Schutzkleidung, nicht einmal Atemmasken", sagte sie der "Zeit". Viele Fischer kämen an die Küste zurück "mit brennenden Augen, Hals- und Kopfschmerzen und anhaltendem Husten". Grund dafür seien die Chemikalien, mit denen das im Meer schwimmende Öl zu einer milchartigen Emulsion aufgelöst werden soll. BP wisse um die Gefährlichkeit dieser Mittel, sagte Ott.

Obama verschärft Regeln

BPs neuerlicher Versuch, die Ursache der Ölpest zu bekämpfen, wird vor allem von der US-Regierung und den betroffenen Fischern mit Ungeduld beobachtet. Mittlerweile wurde das Öl auf einer Breite von 110 Kilometern an Stränden und ins Marschland am Golf von Mexiko gespült. US-Behörden dehnten die Verbotszone für den Fischfang weiter aus. Präsident Barack Obama will die die ölverschmierte Küste erneut selbst in Augenschein nehmen. Er werde in den Bundesstaat Louisiana reisen, um sich dort ein Bild von den Bemühungen im Kampf gegen die Ölpest zu machen, teilte das Weiße Haus mit.

Obama wird einem Bericht zufolge deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Wie die Zeitung "Wall Street Journal" meldete, will der US-Präsident die Ölindustrie zur Einhaltung strengerer Sicherheitsbedingungen verpflichten. Außerdem wolle die US-Regierung mehr und rigidere Kontrollen auf Ölplattformen vor der Küste einführen.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP/rts

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