Panorama
Schiffshavarie rund 20 Kilometer vor der deutschen Küste: An Bord der "Maestro Diamond" befinden sich neben der Ladung auch größere Mengen Treibstoff (Archivbild).
Schiffshavarie rund 20 Kilometer vor der deutschen Küste: An Bord der "Maestro Diamond" befinden sich neben der Ladung auch größere Mengen Treibstoff (Archivbild).(Foto: dpa)
Sonntag, 09. Oktober 2016

Havarie vor der deutschen Küste: Schlepper erreichen die "Maestro Diamond"

Heikle Bergungsaktion in der Ostsee: Der im Meer zwischen Dänemark und Deutschland festsitzende Frachter soll so schnell wie möglich freikommen. Hochseeschlepper kommen dem knapp 180 Meter langen Schiff zur Hilfe.

Vor der deutschen Ostseeküste arbeiten Bergungsexperten an der Rettung eines havarierten Frachtschiffes. Noch am Abend sollte nach Angaben dänischer Seenotretter der erste Schleppversuch an dem mit 30.000 Tonnen Düngemitteln beladenen Frachter beginnen.

Rund 180 Meter lang und mit 30.000 Tonnen Düngemitteln beladen: Die "Maestro Diamond" (Archivbild).
Rund 180 Meter lang und mit 30.000 Tonnen Düngemitteln beladen: Die "Maestro Diamond" (Archivbild).(Foto: Maestro Shipping)

Die "Maestro Diamond" - ein rund 180 Meter langer Schuttgutfrachter - liegt seit Freitag am Rand der Kadetrinne fest. Ohne Lotsen an Bord war der Frachter auf seinem Weg von Klaipeda in Litauen in die USA dort in stürmischen Wetter auf das Gedser Riff aufgelaufen.

Tonnenweise Treibstoff an Bord

Die Außenhaut des Schiffes scheint bislang den gewaltigen Belastungen, die durch die Grundberührung auf die Rumpfkonstruktion wirken, standzuhalten. Neben der Ladung an Bord des Frachters lagern in den Treibstofftanks der "Maestro Diamond" größere Mengen an Schweröl oder Schiffsdiesel. Als Zielhafen des Düngemittelfrachter war New Orleans im Golf von Mexiko vorgesehen. Der Unfallort liegt nach Informationen des NDR nur rund 20 Kilometer vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

Von dem auf Grund gelaufenen Schiff gehe derzeit keine Gefährdung für die Umwelt aus, bekräftigten die dänischen Schifffahrtsbehörden am Sonntag erneut. Auch für die Besatzung bestehe weiterhin keine Gefahr. Ein Spezialschiff habe die Umweltbelastung vor Ort untersucht, erklärte ein Sprecher des dänischen Seenotrettungszentrums (JRCC) im dänischen Aarhus. Demnach gibt es keine Hinweise auf ausgelaufenes Öl oder andere Verschmutzungen.

Seegang behindert die Bergung

Schmale Rinne am Grund der Ostsee: Mehrere Riffe aus Blockhalden ragen am Rand der Schifffahrtsstraße ins Fahrwasser.
Schmale Rinne am Grund der Ostsee: Mehrere Riffe aus Blockhalden ragen am Rand der Schifffahrtsstraße ins Fahrwasser.(Foto: GeoBasis-DE / Bundesamt für Naturschutz)

Einen frühen Bergungsversuch am Samstag hatten die Wetterbedingungen vor Ort verhindert: Angesichts der Windbedingungen vor Ort und der teils sehr stürmischen See bestand keine Aussicht, das Schiff sicher vom Riff zu ziehen. Inzwischen habe sich das Wetter jedoch gebessert, heißt es. Das JRCC rechnete damit, noch am Sonntag mit dem Freischleppen beginnen zu können. Die Crew sollte solange an Bord bleiben.

Eine Schlepper der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel ist seit Samstagabend an der Havariestelle, ein zweiter Schlepper aus Cuxhaven sei auf dem Weg und sollte noch am Sonntagabend an dem festsitzenden Frachter eintreffen, sagte ein Sprecher des Kieler Unternehmens.

Reederei auf Zypern

Es sei allerdings unklar, ob dann tatsächlich schon ein Versuch unternommen werden kann, den Havaristen freizuschleppen, heißt es aus Kiel. Vor dem ersten Schleppversuchen müsse der Reeder noch die Seetüchtigkeit des erst gut ein Jahr alten Schiffes nachweisen, betonten die Bergungsexperten aus Deutschland. Ein entsprechendes Zertifikat sei angefordert worden, sagte ein Sprecher von JRCC.

Betreiber der "Maestro Diamond" ist eine Reederei auf Zypern. Das Schiff fährt unter der Flagge der Marshallinseln. Die sogenannte Kadetrinne (dänisch: Kadetrenden) liegt zwischen Rostock und dem dänischen Gedser und gilt als einer der meistbefahrenen Seewege der Welt. Die Rinne zieht sich über mehrere Kilometer quer durch die Ostsee.

Gefährliche Engstelle

Insbesondere das Seegebiet rund um das Gedser Riff gelten als schwieriges Fahrwasser mit zahlreichen Untiefen.Die Gefahren vor Ort sind allgemein bekannt. "Die Kadetrinne hat einen sehr hügeligen Meeresboden mit teils steilen Kanten", heißt es zum Beispiel auf einer Informationsseite für Segler. Unter anderem wegen des Gedser Riffs auf der dänischen Seite der Rinne verengt sich der schiffbare Bereich an der schmalsten Stelle je nach Tiefgang der Schiffe auf weniger als 1000 Meter.

Weil die Rinne am Meeresboden nicht geradlinig verläuft, ist ausgerechnet an dieser Engstelle ein scharfer Kurswechsel erforderlich. Warum die Besatzung des Frachters bei der Fahrt durch die Kadetrinne auf eine Unterstützung eines Lotsen verzichtete, blieb zunächst unklar.

Quelle: n-tv.de