Panorama

Schwarzmarktgeschäfte in Kabul Schmuggelte die EU-Vertretung Alkohol?

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Durchgesickerten Handy-Mitteilungen zufolge soll auch Whiskey geschmuggelt worden sein.

Kühlschränke und Gasflaschen sollen zweckentfremdet worden sein: Vertreter der EU in Kabul sollen sie genutzt haben, um Bier, Wein und Hochprozentiges darin zu verstecken - und dann zu verkaufen. Jetzt geht eine Behörde der Sache auf den Grund.

Ermittler der EU-Antibetrugsbehörde OLAF gehen in Afghanistan dem Verdacht des Alkoholschmuggels durch die EU-Vertretung nach. Das bestätigte ein EU-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte der britische "Guardian" berichtet, dass Wein und Spirituosen, die von der diplomatischen Vertretung der EU zum Eigenverbrauch importiert worden waren, illegal auf dem Schwarzmarkt der Hauptstadt Kabul verkauft worden seien.

Im muslimischen Afghanistan ist den Einwohnern der Besitz und Konsum von Alkohol verboten. Doch überall in Kabul gibt es Schwarzhändler. Ausländischen Vertretungen und internationalen Organisationen ist die Einfuhr von Alkohol nur für ihr nicht-afghanisches Personal gestattet.

Für 425.000 Euro Alkohol bezogen

Dem "Guardian" zufolge sollen EU-Vertreter ausgediente Kühlschränke und angepasste Gasflaschen verwendet haben, um Bier, Wein und Spirituosen unauffällig aus dem offiziellen EU-Bereich hinauszubefördern und dann an afghanische Geschäftsleute zu verkaufen.

Der "Guardian" sah Unterlagen ein, denen zufolge die EU-Delegation in Afghanistan ihrem Hauptlieferanten für Alkohol über einen Zeitraum von 20 Monaten die auffällig hohe Summe von mehr als 500.000 Dollar zahlte; das sind 425.000 Euro.

Der Europäische Auswärtige Dienst (EEAS), die Europäische Kommission und die EU-Delegation in Kabul wissen dem Sprecher zufolge seit Ende August von den Vorwürfen. Sie hätten umgehend OLAF informiert. Die Behörde werde nach ihren Untersuchungen entscheiden, ob sie Ermittlungen einleite.

Quelle: n-tv.de, asc/AFP