Panorama

Blühende Großstadt Schrebergärten mitten in Paris

Paris ist nicht gerade als grüne Stadt bekannt. Aber es gibt immer mehr Schrebergärten mitten im Zentrum. Nachbarn pflegen sie gemeinsam und öffnen sie für Passanten.

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Auch Paris folgt dem weltweiten Trend, die Metropole zu begrünen.

(Foto: dpa)

Gilles stampft mit den Füßen, fuchtelt mit den Armen in der Luft und läuft schimpfend zwischen den liebevoll bepflanzten Beeten hin und her. "Die Tauben fressen alle Körner, die wir säen", ärgert er sich. Gilles Roux ist Mitbegründer des Gemeinschaftsgartens "Le Poireau Agile" - ein Wortspiel, das sowohl "Der flinke Lauch" als auch "der Lauch von Gilles" heißen kann. Fast jeden Tag verbringt der 60-Jährige dort mehrere Stunden. Der Garten unterscheidet sich kaum von anderen Schrebergärten, mit der Ausnahme, dass er mitten in Paris liegt, zwischen Ostbahnhof und Kanal St. Martin.

Schrebergärten mitten in der französischen Metropole - diese Idee entstand 1999, als einige Aktivisten auf ehemaligen Industrieflächen illegal Gärten anbauten. Als zwei Jahre später erstmals die Grünen unter dem sozialistischen Bürgermeister Bertrand Delanoë mit ins Rathaus einzogen, wurde daraus das offizielle Projekt "Grüne Hand".

Rosen, Kräuter und Tomaten

Seitdem stellt die Stadt interessierten Hobbygärtnern Grundstücke samt Zaun und Wasseranschluss zur Verfügung. Sie gründen einen Verein und finanzieren ihr Projekt durch Mitgliedsbeiträge. Derzeit gibt es knapp 60 Gemeinschaftsgärten in Paris. In einer Charta verpflichten sich die Mitglieder, ihren Garten mindestens zweimal die Woche für Besucher zu öffnen. Daneben gibt es noch etwa ein Dutzend privater Gemeinschaftsgärten - grüne Inseln in einer Stadt, die im Vergleich zu anderen Hauptstädten nur wenige Parks hat.

Im blaukarierten Hemd und mit Schlapphut auf dem Kopf geht Gilles durch den Garten und zeigt stolz, was er und die anderen Gärtner geschaffen haben. Auf den 50 kreisförmig angeordneten Beeten blühen Kornblumen, Margeriten und Rosen. Hier hat jemand Kräuter angepflanzt, dort jemand Tomaten. In der Mitte ist eine Wasserlache, die als Vogelbad gedacht war, aber auch gern von den Kindern des Stadtviertels genutzt wird. Auf den Bänken sitzen Rentner und schauen den spielenden Kindern zu. Mehrere Mütter sitzen in der Sonne und lesen.

Jeder will ein Beet

Familien, Paare oder auch ganze Schulklassen bearbeiten hier in ihrer Freizeit ihr Stückchen Erde. Etwa 300 stehen auf der Warteliste für ein Beet. Die Stadt will mit den Gemeinschaftsgärten Orte der Begegnung schaffen. Gilles will vor allem den Kindern zeigen, wie Pflanzen wachsen und den Stadtmenschen den Umgang mit der Natur näherbringen. In einer kleinen Hütte, in der die Gartenwerkzeuge aufbewahrt werden, setzt er regelmäßig Brennnesselbrühe an, die er als natürlichen Dünger verwendet. "Den Leuten wird allmählich klar, dass diese Stadt nicht nur aus Häusern, Autos und Straßen besteht", sagt Gilles.

Quelle: n-tv.de, Kathrin Aldenhoff, dpa

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