Panorama

Strafe für religiöse Eltern Schulbehörde wird tätig

Die Hamburger Schulbehörde will den Eltern, die ihren drei Töchtern den Schulbesuch aus religiösen Gründen verweigern, gerichtlich das Sorgerecht entziehen lassen. Die schulpflichtigen Mädchen waren auch am Freitag nicht zum Unterricht erschienen, bestätigte Behördensprecher Alexander Luckow. Der 44 Jahre alte Vater war erst am Donnerstag nach einer Woche Erzwingungshaft frei gekommen. Das Amtsgericht hatte die Eltern zuvor wegen der Schulverweigerung zu einer Geldstrafe über 840 Euro verurteilt. Die Berufung gegen dieses Urteil zogen die Eltern am Freitag zurück.

Nach Luckows Angaben wurde noch am Freitag beim zuständigen Familiengericht der Antrag auf Einsetzung eines Vormunds gestellt, "der dafür sorgt, dass die Kinder zu Schule gehen". Wie lange das Verfahren dauern werde, sei nicht abzusehen. Einem früheren Antrag der Schulbehörde auf Entzug des Sorgerechts hatte das Gericht nicht zugestimmt. Durch das Urteil im Strafprozess gebe es aber neue Aspekte. Erneute Erzwingungshaft gegen den Vater werde die Behörde zunächst nicht beantragen, sagte Luckow. "Unser Ziel ist nicht, Leute in Haft zu bringen, sondern Kinder in die Schule zu bringen." Mit seinem Verhalten nach einer Woche Erzwingungshaft habe der Vater gezeigt, dass er sich damit nicht zur Vernunft bringen lasse.

Die streng gläubigen Eheleute unterrichten ihre insgesamt sechs Kinder daheim, weil sie einen schlechten Einfluss der öffentlichen Lehranstalten auf ihren Nachwuchs fürchten. Im Strafprozess hatte der Richter den Eltern in seiner Urteilsbegründung vorgeworfen, ihren christlichen Glauben über die verfassungsmäßigen Grundrechte der Kinder zu stellen und die Kinder in der "heilen Welt" der Familie zu isolieren. Das Ehepaar hatte bis zum Bundesverfassungsgericht erfolglos gegen die Schulpflicht für seine Kinder gekämpft.

Quelle: ntv.de

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