Panorama

Ende der Ölpest nicht in Sicht Schweröl an US-Küste

Einen Monat nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko kommt erstmals Schweröl an der US-Küste an. In Louisiana treibt die dickflüssige Brühe in die empfindlichen Sumpfgebiete des Marschlandes. Die US-Regierung berät unterdessen auch mit Kuba über die Folgen der Ölpest und strukturiert die Kontrollbehörde für Tiefsee-Bohrungen um.

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Öl tropft vom Schilf im Marschland von Louisiana.

(Foto: REUTERS)

Öl aus dem leckgeschlagenen Bohrloch im Golf von Mexiko bedroht Experten zufolge inzwischen auch die US-Ostküste. Meteorologen erklärten, ein kleiner Teil des Ölfilms sei bereits in den "Loop Current" eingetreten. Diese Meeresströmung, die den Golf im Uhrzeigersinn durchfließt, könne das Öl bis zur Inselgruppe der Florida Keys, nach Kuba und an die Ostküste der USA spülen - und es kann noch schlimmer kommen.

"Der Tag, den wir alle befürchtet haben, ist heute eingetreten", sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, im Fischereihafen von Venice in der Nähe von New Orleans. An einigen Stellen sei die Ölschicht mehrere Zentimeter dick. Es sei zu erwarten, dass noch mehr Schweröl an die Küste geschwemmt werde, sagte Jindal, der sich bei einer Bootstour im fischreichen Mississippi-Delta ein Bild von der Lage gemacht hatte.

Öl im "Loop Current"

Bislang waren an den Küsten der Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama nur einzelne Ölklumpen aus dem Bohrloch der gesunkenen Plattform angeschwemmt worden. Der Ölteppich breitet sich durch starke Strömungen im Golf von Mexiko jedoch ungehindert aus. Satellitenbilder der europäischen Raumfahrtbehörde ESA zeigten, dass das Öl inzwischen durch den sogenannten Loop Current Richtung Florida getrieben wird.

Es kann noch schlimmer kommen

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Dicke "Ölwellen" im Golf von Mexiko.

(Foto: REUTERS)

Das schlimmste Szenario ist nach Angaben von Wissenschaftlern, dass das Öl Florida schon in sechs Tagen erreichen könnte. Anschließend könnte die gewaltige Meeresströmung den Ölfilm weiter bis zur Inselgruppe der Florida Keys, an die Ostküste der USA, nach Kuba und sogar in den Golfstrom spülen.

Beratungen mit Kuba

Angesichts der zunehmenden Gefahr informierten die USA inzwischen auch Kuba über die sich ausbreitende Ölpest. Nach Angaben des Außenministeriums in Washington gab es bereits erste Gespräche über die neuesten Entwicklungen.

Seit 1961 gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba, das rund 140 Kilometer südlich von Florida liegt. Die USA betreiben seit 47 Jahren ein Embargo gegen die Insel und verweisen zur Begründung auf Menschenrechtsverletzungen durch die kommunistische Führung.

Dem britischen Ölkonzern BP, der die gesunkene Ölplattform betrieben hatte, ist es mittlerweile gelungen, 60 Prozent des pro Tag ausströmenden Öls über ein Saugrohr abzupumpen. Von den 5000 Barrel (795.000 Liter) Öl, die jeden Tag aus dem Bohrloch sprudeln, würden 3000 Barrel aufgefangen, teilte BP mit. Nach Angaben von Experten könnte jedoch zehnmal mehr Öl aus den Lecks austreten.

US-Regierung zieht Konsequenzen

Um derartige Katastrophen künftig zu verhindern, wird die US-Kontrollbehörde für Tiefsee-Bohrungen zerschlagen: Künftig sollen drei gesonderte Stellen für die Erteilung von Bohrgenehmigungen, die Sicherheitskontrollen und die Verwaltung der Finanzmittel zuständig sein. Mit der Entscheidung reagierte die US-Regierung auf die Vorwürfe vorschnell erteilter Bohrgenehmigungen und zu laxer Sicherheitskontrollen durch die Behörde für Rohstoffverwaltung (MMS).

Präsident Barack Obama hatte nach der Explosion der Bohrinsel die Reform der Kontrollbehörde zu einer der vorrangigsten Aufgaben erklärt. Der MMS war vorgeworfen worden, dem Ölriesen BP, aber auch anderen Mineralölkonzernen Bohrgenehmigungen erteilt zu haben, obwohl diese die gesetzlichen Auflagen nicht erfüllten. Demokratische US-Senatoren forderten Obama unterdessen auf, die Überprüfungen der Ölbohrungen vor der US-Küste umgehend auszuweiten.

Quelle: ntv.de, AFP/rts

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