Panorama

Von der Maoisten-Kommune zur Londoner Sklaven-Familie Schwester eines Opfers meldet sich

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In diesem Haus sollen die Frauen als moderne Sklavinnen gelebt haben.

(Foto: dpa)

Im London der 1970er Jahre tummelten sich extrem linke Gruppierungen aus aller Welt. Auf diesem Nährboden wuchs offenbar der Fall von moderner Sklaverei. Jetzt meldet sich eine Angehörige einer der Frauen, die damals als Studentin verschwand.

Im Fall von moderner Sklaverei in London hat sich die Familie eines der Opfer gemeldet. Die 69 Jahre alte Frau, die gemeinsam mit zwei weiteren Opfern mehr als 30 Jahre lang gegen ihren Willen von einem Ehepaar festgehalten worden sein soll, soll 1968 als Studentin aus Malaysia nach Großbritannien gekommen sein.

Die Frau sei über ein Commonwealth-Stipendium eingereist, sagte ihre Schwester dem "Daily Telegraph". Sie habe sich einer kommunistischen Kommune angeschlossen und sei seitdem nicht mehr mit ihrer Familie in Kontakt getreten, berichtete die Zeitung weiter. Das London der 1970er Jahre war ein Anziehungspunkt für Tausende dieser linken Gruppierungen mit Mitgliedern aus aller Welt.

Möglicherweise war dieser politische Fanatismus Auslöser für die 30-jährige Tortur der drei Frauen, die erst Ende Oktober aus ihrem Sklavinnen-Dasein befreit wurden. Mit ihren Peinigern sollen sie nach Angaben von Scotland Yard "eine gemeinsame politische Ideologie" geteilt haben.

Das Leben der drei Frauen soll demnach einer "Achterbahnfahrt" geglichen haben. Am Anfang habe die Bewunderung für die politische Sicht des "Kameraden Bala" gestanden. So wird der Tatverdächtige, der sich jetzt wegen Sklaverei verantworten muss, in der Szene genannt. "Kamerad Bala" und seine ebenfalls tatverdächtige Frau Chanda seien in den 1960er Jahren aus Indien und Tansania nach London gereist. Dort hätten sie sich dem marxistisch-leninistischen Flügel der Kommunistischen Partei Englands angeschlossen, bis sie 1974 aus der Partei geworfen wurden. Der Ausschluss sei wegen "Spalter-Aktivitäten" erfolgt und weil er das Zentralkomitee des "Sozial-Faschismus" denunziert haben soll.

Gruppe war Gegenstand einer Doktorarbeit

Der Rotfront-Aktivist habe anschließend mit einer Gruppe von rund 25 Gleichgesinnten ein maoistisches Zentrum im Süden Londons gegründet. 1977 soll er die Befreiung Großbritanniens vom Faschismus durch die Volksbefreiungsarmee Rotchinas vorausgesagt haben. 1978 wurde das Zentrum von der Polizei geschlossen.

Der Oxford-Professor Steve Rayner hatte die Gruppe damals für seine Doktorarbeit beobachtet. "Die meisten waren Studenten aus dem Ausland, die in London keinen Anschluss fanden", sagte er dem "Evening Standard". Nur wenige seien einer geregelten Arbeit nachgegangen. Wer etwas Geld verdiente, habe es der Gruppe gespendet.

"Kamerad Bala", seine Frau und die zunächst freiwillig dazugestoßenen, heute 57 und 69 Jahre alten Frauen aus Irland und Malaysia, seien quer durch London gezogen. An 13 Adressen habe die Polizei Spuren der Kommune gefunden, zu der nach und nach weitere Mitglieder hinzugestoßen waren.

Immer mehr rücken in dem außergewöhnlichen Fall auch die Behörden ins Licht der Öffentlichkeit. Bereits vor 15 Jahren hatte ein Nachbar das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht, dass die heute 30 Jahre alte Britin keine Schule besuche. Es sei aber nichts geschehen. Auch die in Großbritannien obligatorischen Hausbesuche von Hebammen und Sozialarbeitern blieben offenbar aus.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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