Panorama
Montag, 12. Oktober 2015

Vor 40 Jahren in Korea getrennt: Schwestern finden sich bei der Arbeit wieder

In einem Krankenhaus in Florida fällt den Kollegen die Ähnlichkeit zwischen zwei Mitarbeiterinnen auf. Beide haben koreanische Wurzeln und wuchsen im Waisenhaus auf. In ihnen keimt eine Hoffnung, die schließlich zur unfassbaren Gewissheit wird.

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Holly Hoyle O'Brien und Meagan Hughes arbeiten beide als Pflegehelferinnen in einem Krankenhaus in Sarasota, Florida. Dass beide koreanische Wurzeln haben, ist offensichtlich, doch als sie miteinander ins Gespräch kommen, sind die Übereinstimmungen in ihren beiden Leben schon fast unheimlich.

Beide sind in Seoul geboren und wurden später von US-amerikanischen Familien adoptiert, in den Papieren beider stand, sie seien verlassen worden. Ihr Altersabstand beträgt gerade mal zwei Jahre. Außerdem haben sie den gleichen Geburtsnamen.

Pok-nam Shin, die inzwischen Holly Hoyle O'Brien heißt, verlor schon als kleines Kind die Mutter, rekonstruierte die "Sarasota Herald-Tribune". Ihr blieb der Vater, ein Alkoholiker, der ein kleines Lebensmittelgeschäft führte. Der Vater fand eine neue Frau, O'Brien bekam eine kleine Schwester, Eun-Sook. Doch eines Nachts erwachte das kleine Mädchen davon, dass die Stiefmutter ihre Sachen packte. Sie verschwand und nahm die kleine Schwester mit. Sie kehrten nie wieder zurück.

Wo ist meine Schwester?

Auch den Vater verlor Holly Hoyle O'Brien schließlich. Als sie fünf war, nahm er sich das Leben. O'Brien landete im Waisenhaus und wurde als Neunjährige schließlich in die USA adoptiert. Immer wieder wurde sie von Alpträumen heimgesucht, in denen der Vater stirbt. "Ich sagte, ich habe eine Schwester, die wir finden müssen." Doch alle Bemühungen ihrer Adoptivfamilie blieben ergebnislos.

Eun-Sook Shin, die jetzt Meagan Hughes ist, hat solche Erinnerungen nicht. Sie weiß nichts von ihrem Vater und auch nichts von ihrer Mutter. 1976 wurde sie mit fünf Jahren aus einem koreanischen Waisenhaus heraus von einer Familie adoptiert. Nach dem Tod ihres Adoptivvaters verlor sie den Kontakt zur Adoptivmutter, inzwischen ist Hughes nach zwei Scheidungen wieder in einer Beziehung, ihre Kinder sind 12 und 19.

Nachdem sie all das voneinander wussten, vermuteten sie, sie könnten Schwestern sein. O'Brien berichtete: "Das war zu schön, um wahr zu sein." Aber der einzige Weg, um die Wahrheit herauszufinden, war ein DNA-Test. Die beiden Frauen bestellten welche in Kanada und schickten die Proben ihrer Mundabstriche Anfang August ein.

Am 17. August bekam Holly Hoyle O'Brien die Ergebnisse per E-Mail. Der Test war positiv. Sie habe gedacht, das könne nicht sein. "Ich zitterte, so aufgeregt war ich." Dann schickte sie Meagan Hughes eine SMS. Hughes war gerade auf dem Weg in den Urlaub nach Kalifornien, aber nach ihrer Rückkehr trafen sich die Schwestern sofort. "Ich war geschockt, wie taub. Ich habe eine Schwester", berichtete Hughes noch Wochen später benommen von der Wendung, die ihr Leben genommen hat.

Quelle: n-tv.de