Panorama

Opfer des Sparzwangs Scotland Yard verliert Zentrale

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Beliebtes Motiv für TV-Kameras: das Schild vor dem Gebäude.

(Foto: dpa)

Die traditionsreiche Londoner Metropolitain Police, besser bekannt als Scotland Yard, muss wohl umziehen. So sehen es Pläne der britischen Regierung vor. Damit würde die legendenumwobene Behörde nach 45 Jahren den liebgewonnenen Standort nahe der Westminster Abbey verlassen. 3000 Mitarbeiter müssen auf andere Gebäude verteilt werden.

Das berühmte Hauptquartier der Londoner Polizeibehörde Scotland Yard unweit der Westminster Abbey ist mit Betonschwellen und Eisenbarrieren geschützt. Doch auch noch so große Sicherheitsvorkehrungen scheinen es nicht vor einem unsichtbaren Feind zu schützen: Haushaltskürzungen. Das Gebäude soll im Zuge der Sparpläne der britischen Regierung für rund 200 Millionen Pfund verkauft werden.

Das zumindest sieht ein Plan vor, den die Führung von Scotland Yard in der vergangenen Woche in London vorgelegt hat. Eine endgültige Entscheidung soll jedoch nicht vor Ende des Jahres fallen. Insgesamt soll die berühmte Polizeibehörde, deren Ermittler schon in Conan Doyles Sherlock-Holmes-Romanen zweifelhaften Ruhm erlangt hatten, bis 2015 insgesamt 500 Millionen Pfund einsparen.

Mehr als 3000 Polizeibeschäftigte sollen umziehen. Als Ersatzquartier ist ein Gebäude im nahen Regierungsviertel Whitehall im Gespräch. Dieses fasst jedoch nur noch rund 800 Leute. Der Rest soll auf Gebäude überall in der Stadt verteilt werden. Teil des Plans ist es auch, Dutzende Polizeiwachen überall in der Stadt zu schließen.

Schlag für die Moral der Truppe

New Scotland Yard, ein riesiger Block aus Glas und Stahl in bester Citylage von Westminster, ist seit 1967 Heimat der berühmten Polizei. Der architektonische Wert des 20-stöckigen Komplexes besteht vor allem in dem sich täglich 14.000 Mal drehenden Schild mit der Aufschrift "New Scotland Yard", das Korrespondenten aus aller Welt seit Jahrzehnten als beliebter Hintergrund für Nachrichten über Kriminalfälle aus London dient.

Das Gebäude an sich steht vor einer Renovierung. Um es auf Vordermann zu bringen, wären 50 Millionen Pfund notwendig, sagt Craig Mackey, stellvertretender Leiter der Metropolitan Police, wie die Polizeibehörde offiziell genannt wird. Die jährlichen Unterhaltskosten für den Gebäudekomplex bezifferte er auf elf Millionen Pfund. "Es ist ein Gebäude, dessen Unterhalt teuer ist und dessen Wartung teuer ist", sagte er. Es biete Platz, der gar nicht benötigt werde - im Zentrum von London mit immensen Immobilienpreisen ein teurer Luxus.

Trotz der offensichtlichen finanziellen Vorteile eines Umzugs sind die Pläne höchst umstritten. John Tully, Präsident der Polizeigewerkschaft, verglich das Vorhaben mit dem Verkauf der Kronjuwelen. Aus seiner Sicht wäre es ein Schlag für die Moral der Truppe, wenn man aus dem prestigeträchtigen Gebäude ausziehen müsste. "Besonders in einem Jahr, in dem sich die Polizisten den Buckel krumm gearbeitet haben", sagte er mit Blick auf die Sicherung der Olympischen Spiele und des Thronjubiläums der Queen.

Aus "Great" wurde "New"

Viele haben ein emotionales Verhältnis zu dem Gebäude. New Scotland Yard steht für 40 Jahre erstklassige Polizeiarbeit. Im Innern brennt ein niemals ausgehendes Feuer für die Polizisten, die im Einsatz ihr Leben verloren haben. Zuletzt stand Scotland Yard aber auch immer öfter für Versagen, Fehlleistungen und Korruption - so musste etwa der Chef der Behörde, Paul Stephenson, Mitte Juli inmitten der Abhöraffäre um Medien aus dem Murdoch-Imperium zurücktreten. Scotland-Yard-Polizisten sollen zu lange weggesehen haben. Nur Wochen später schaute die Polizei tagelang tatenlos zu, wie Unruhestifter in vielen Londoner Stadtteilen brandschatzten und plünderten.

Die Metropolitan Police, 1829 von Robert Peel gegründet, ist in ihrer Geschichte schon mehrmals umgezogen. Ihr erstes Hauptquartier hatte sie in einer Straße nahe der Downing Street mit dem Namen "Great Scotland Yard". Nach dem ersten Umzug nannte man die Polizei dann "New Scotland Yard" - eine Bezeichnung, die sich bis heute hielt.

Quelle: ntv.de, Anna Tomforde, dpa

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