Panorama

Panne bei S21-Tunneltaufe Sektflasche platzt erst beim vierten Versuch

Reibungslos läuft das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 nie. Heftige Bürgerproteste, steigende Kosten und Baustopps sorgen fast dauernd für negative Schlagzeilen. Jetzt will bei einem Tunnelanstich nicht einmal die Sektflasche platzen.

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Uuuund nochmal: Erst beim vierten Wurf klirrte es.

(Foto: dpa)

Start mit Hindernissen beim Albaufstiegstunnel für das Bahnprojekt Stuttgart 21: Dreimal prallte die Sektflasche an der Wand der Tunnelröhre in Hohenstadt am Aufstieg zur Schwäbischen Alb ab. Erst dann gelang Tunnelpatin Susanne Ramsauer der entscheidende Wurf. Die Frau von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gab damit den Startschuss für den Bau des ersten Tunnels für die ICE-Neubaustrecke nach Ulm.

Bei Stuttgart 21 wird der Stuttgarter Hauptbahnhof von einem Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und an eine neue Schnellbahnstrecke angeschlossen. Die knapp 60 Kilometer lange ICE-Strecke soll die Fahrtzeit zwischen Stuttgart und Ulm im Fernverkehr auf 31 Minuten halbieren. Fluggäste brauchen von Ulm dann nur noch eine halbe Stunde zum Flughafen Stuttgart statt bislang gut eineinhalb Stunden.

Mit dem Anstich des ersten langen Tunnels geht das umstrittene Bahnprojekt in eine neue Phase. Der Albaufstiegstunnel Steinbühl ist 4,8 Kilometer lang. Insgesamt baut die Bahn auf dem Streckenabschnitt zwischen Wendlingen und Ulm neun Tunnel.

Gegen das Projekt hatte es heftige Proteste gegeben

"Dieses Projekt ist nicht nur von regionaler und nationaler Bedeutung, dieses Projekt hat ... europäischen Charakter", sagte Bundesverkehrsminister Ramsauer. Die neue ICE-Strecke ergänzt nicht nur den Umbau des Bahnknotens Stuttgart, sie ist auch Teil der europäischen Magistrale von Paris über Stuttgart, München, Wien bis Bratislawa.

Das größte deutsche Bahnprojekt hatte vor drei Jahren für heftige Massenproteste in Stuttgart gesorgt. So war es etwa am 30. September 2010 zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, bei denen Hunderte Demonstranten verletzt wurden. Im Juni 2011 hatten dann Projektgegner nach einer Montagsdemonstration eine S21-Baustelle gestürmt. Ein Volksentscheid vor etwa eineinhalb Jahren ging knapp zugunsten von Stuttgart 21 aus.

Immer noch demonstrieren jeden Montag einige Tausend Bürger gegen die Verlegung des Hauptbahnhofs unter die Erde. Auch diesmal protestierten am Rande der Baustelle einige Demonstranten gegen Stuttgart 21 und beschimpften die Politiker als "Lügenpack". Ramsauer entgegnete den Kritikern, wer Verkehr von der Straße auf die Schiene verlegen und Flugverkehr vermeiden wolle, müsse solche Eisenbahn-Projekte unterstützen.

Das größte Bauprojekt der Bahn könnte nach bisherigem Stand bis zu 9,4 Milliarden Euro kosten. Auf den Umbau des Bahnknotens entfallen 6,5 Milliarden, auf die Neubaustrecke nach Ulm 2,9 Milliarden Euro. Für den neuen Tiefbahnhof in Stuttgart und die Neubaustrecke müssen etwa 120 Kilometer Schienenstrecke gebaut werden - dazu gehören 25 Tunnel und Unterführungen sowie 55 Brücken und Überführungen.

Quelle: ntv.de, hah/rts/dpa

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