Panorama

Die Bahn kommt … langsam "Sicher" ans Ziel

Um alle Fahrgäste sicher von A nach B zu bringen, drosselt die Deutsche Bahn das Tempo. Warum? Natürlich aus Sicherheitsgründen!

bahn1.jpgDie Deutsche Bahn muss aus Sicherheitsgründen ab kommender Woche drei Monate lang das Tempo von mehr als 700 Regional- und S-Bahn-Zügen drosseln. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) habe für die Zeit vom 15. September bis 15. Dezember eine Geschwindigkeitsbegrenzung für bundesweit 760 Elektrotriebzüge angeordnet, berichtete das in Bielefeld erscheinende "Westfalen-Blatt".

Nichts Neues - schon seit drei Jahren

Die Anordnung sei bereits im dritten Jahr in Folge erfolgt, weil eine Umrüstung der Züge mit einer neuen Besandungsanlage noch nicht erfolgt sei. Aufgrund der Wetterlage im Herbst mit Laub und Schmierfilm auf den Schienen dürften die betroffenen Züge statt 160 nur 125 Stundenkilometer und bei Gefälle nur Tempo 100 fahren, um rechtzeitig bremsen zu können, sagte EBA-Sprecher Ralph Fischer.

Sand im Getriebe?

bahn2.jpgUm die neue Besandungsanlage genehmigen zu können, fehlten noch wichtige Unterlagen, sagte Fischer der Zeitung. So sei noch nicht geklärt, ob die Räder und Achsen das zusätzliche Gewicht von Sand und Sandbehälter aushielten. Zudem müsse geprüft werden, ob der zwischen Schienen und Räder rieselnde Sand die übrige Sicherheitstechnik beeinflusse.

"Chance" auch für Berliner S-Bahn

Die betroffenen Elektrotriebzüge werden als Regionalbahnen, Regional-Express-Züge und S-Bahnen eingesetzt. Das eröffnet zum Beispiel der Berliner S-Bahn, bei der zurzeit wegen technischer Mängel an den Bremsen nur ein Viertel der Züge auf den Schienen ist, neue "Chancen": Die spärlich rollenden Wagen können dies nun auch noch langsamer tun.

Keine Entspannung durch Notfahrplan

DEU_BB_S-Bahn_BER104.jpg5383932312999890686.jpgBerliner Nahverkehrschaos geht weiterIn der Bundeshauptstadt brachte der nun erstellte Notfahrplan den Fahrgästen vorerst keine deutliche Entspannung. "Im Großen und Ganzen" laufe das vorgesehene Konzept mit einem Zehn-Minuten-Takt auf der Ringbahn und einem 20-Minuten-Takt auf den anderen noch bedienten Linien, sagte ein Bahnsprecher. Es gebe aber immer wieder auch Ausfälle oder Verschiebungen. Wegen der Problemen mit den Bremszylindern sind die meisten Züge kürzer, Strecken werden teils nur verkürzt befahren. Vier S-Bahnlinien fahren gar nicht. Die wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Alexanderplatz und Westkreuz ist völlig außer Dienst.

Vertrag bleibt, Probleme auch

2mbq4032.jpg8383091505399267906.jpgUnterdessen hat der Berliner Senat angekündigt, trotz des neuerlichen Desasters bei der S-Bahn an dem bis 2017 laufenden Vertrag mit der Bahntochter festzuhalten. "Es macht keinen Sinn, den Vertrag zu kündigen", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Abgeordnetenhaus und kritisierte entsprechende Forderungen der Opposition als "populistisch". Bis ein anderer Anbieter einspringen könnte, dauere es mehrere Jahre. Außerdem sei es nicht seine Position, "ein Berliner Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern von heute auf morgen auf die Straße zu setzen".

Wowereit erhob schwere Vorwürfe gegen die für die Wartung der S-Bahnen verantwortliche Deutsche Bahn. Deren früheres Management habe mit Blick auf die Privatisierung und dem Trimmen auf Gewinn die Sicherheit der S-Bahnen "absichtlich gefährdet", sagte Wowereit im ZDF. Das sei "der Skandal, und der muss aufgeklärt werden". Eine schnelle Lösung, außer die ausgefallenen Züge zu reparieren und wieder in den Verkehr zu bringen, gebe es nicht.

Angaben der "Financial Times Deutschland", das Berliner S-Bahn-Chaos könnte die DB ein "paar hundert Millionen Euro" kosten, wurden von dem Unternehmen dementiert. Die Zeitung hatte außerdem berichtet, dass Mitarbeiter der S-Bahn Wartungsprotokolle bewusst falsch ausgefüllt haben sollen. Demnach sollen sie den Austausch von Einzelteilen an den Bremsen bestätigt haben, obwohl die Teile nie ersetzt wurden. Bereits im Juli rollten die Berliner S-Bahnen nur stark eingeschränkt. Damals waren nach einem Radbruch massive Sicherheitsmängel aufgeflogen.

Quelle: n-tv.de, hdr/AFP/dpa

Mehr zum Thema