Panorama

Puppen und Bilder Silvio S. plante die Taten wohl schon lange

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Die Polizei machte in dem Haus im brandenburgischen Niedergörsdorf gruselige Entdeckungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Polizisten die Wohnung von Silvio S. nach dessen Festnahme betreten, bietet sich ihnen ein gruseliges Bild. In großer Unordnung finden sich viele Gegenstände, die belegen, dass S. schon lange Entführungs- und Missbrauchsfantasien hatte.

Im Haus des mutmaßlichen Kindermörders Silvio S. hat die Polizei nach seiner Festnahme 2015 bizarre Entdeckungen gemacht. In ihrer Zeugenaussage berichtete eine Polizeibeamtin im Prozess um den Tod der kleinen Jungen Elias und Mohamed, es seien bei der Durchsuchung der Wohnung und im Auto von S. mehrere lebensecht aussehende Puppen, rosa Prinzessinnenkleider, Fesselwerkzeug und ein Teddy mit Kameraaugen gefunden worden.

Die Dinge hatte S. von 2013 bis 2015 nach und nach über ein Internetauktionshaus gekauft. "Dienstlich als Security-Mann hat er das sicher nicht benötigt", sagte die Frau vor dem Landgericht Potsdam. Demnach kaufte S. auch eine Wildkamera. Bei deren Auswertung fanden die Ermittler Bilder von S., wie er auf dem Bett liegt und sich "sexuell mit einer Puppe" beschäftigt.

"In einer Kammer lag ein Riesenhaufen Müll, bis zur Hüfte hoch", sagte die Frau. Unzählige alte Zeitungsausschnitte hätten in dem Raum gelegen, die sie Stück für Stück sortiert habe. "Da waren Massen an ausgeschnittenen Babyköpfen, Mädchenköpfen, Jungenköpfen." Manche Köpfe seien nur zwei Zentimeter groß gewesen. "Die meisten sahen aus wie aus einer normalen Tageszeitung, wie wenn Kindertagesstätten Feierlichkeiten abgehalten haben." Das sei präzise Kleinarbeit gewesen.

Plan, Fantasien umzusetzen

"Für mich war da schon klar: Er hat sich schon ziemlich lange mit dem Thema beschäftigt." In einer Tüte eines Textildiscounters entdeckten die Beamten ein Mädchenkleid in Kindergröße, ein Kinder-Oberteil, einen verpackten Slip, eine Einwegfessel, Einmalhandschuhe und Paketschnürbänder. Die Tüte habe mit ihrem Inhalt "wie die Vorbereitung einer Kindesentführung" gewirkt. Im Familienbungalow in Neuseddin habe der Spurenhund unter dem Waschbecken und in der Dusche angeschlagen.

Unter anderem stellte die Polizei auch eine Teddy-Kamera und ein Nachtsichtgerät sicher. Außerdem wurden dort handschriftliche Notizen mit rosa Textmarker gefunden: "Mädchen, Junge, Messer, Kind besoffen machen, Fesseln, Mund zukleben, knebeln." Der Beamtin zufolge spiegeln die Notizen die Interessen von Silvio S. wider. Ihrer Einschätzung nach klängen sie nach einer Fantasie, nach Wünschen, "die man umsetzen möchte".

Anschließend berichtete ein Kripobeamter über den ersten Einsatz in der Wohnung von S. in der Nacht vom 10. auf den 11. November 2015. Gemeinsam mit Kollegen der Mordkommission habe man die Räume untersucht. Schon dabei seien bereits 238 Gegenstände sichergestellt worden.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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