Panorama

Endlich eigenes Trinkwasser Singapur staut auf

Eine Millionenmetropole, ein Fluss mitten durch die Innenstadt - an sich nichts Ungewöhnliches. Doch bastelt der kleine Stadtstaat Singapur in Südostasien an einem revolutionären Konzept: Ingenieure haben den Singapore River mit einem 300 Meter langen Damm von seiner Mündung ins Südchinesische Meer abgeschnitten, um das bereits vorhandene Wasserbecken am Fuß der Wolkenkratzer in einen riesigen Süßwassersee zu verwandeln.

Die ganze Innenstadt mit Schnellstraßen und Hochhäusern und einem hektischen Geschäftsdistrikt, wo Hunderttausende arbeiten, wird damit zum größten innerstädtischen Wassereinzugsgebiet der Welt: Der Regen, der in einem Areal von mehr als 10.000 Hektar fällt, wird in dem Reservoir gesammelt, in eine Aufbereitungsstation gepumpt und anschließend in die Wasserversorgung gespeist. Der See ist mit 256 Hektar fast so groß wie der Wannsee in Berlin.
"Der Damm schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe", sagt Khoo Teng Chye, Chef der Wasserbehörde PUB. "Wir haben ein neues Trinkwasserreservoir, ein Schleusentor, um Überschwemmungen zu verhindern und einen attraktiven See, dessen Wasserspiegel nicht mit den Gezeiten steigt und sinkt."

Süß und salzig

Der breite Damm ist fast fertig, und stolz führt der zuständige PUB-Direktor Yap Kheng Guan Besucher über das neue Bauwerk, das demnächst als Wasserscheide zwischen Süß- und Salzwasser dient. "Hier können Angler demnächst auf einer Seite Süß-, auf der anderen Salzwasserfische fangen", sagt er. Auf der einen Seite fahren ganz nah gigantische Schiffe auf dem Weg zum größten Containerhafen der Welt ein paar Kilometer vorbei, auf der anderen stehen ein paar hundert Meter weiter die Wolkenkratzer der Millionenmetropole. Das Pumpenhaus wird noch gebaut und im Frühsommer als Touristenattraktion eröffnet: mit einem begehbaren und mit Gras bewachsenen Dach.

Singapur hat praktisch kein Grundwasser und immer seine Mühe gehabt, das Millionenvolk mit Trinkwasser zu versorgen. Schon die englischen Kolonialherren legten das erste Reservoir an, um von den reichlichen Monsunregen zu profitieren. Doch wurde noch vor acht Jahren mehr als die Hälfte des Wassers vom Nachbarn Malaysia eingeführt. Weil die Malaysier diese Abhängigkeit immer gerne als Druckmittel in allerlei anderen Verhandlungen ausnutzten, beschlossen die Singapurer die Abnabelung von Fremdquellen.

Wassersport nur ohne zu schwimmen

Diese Entscheidung wurde mit der legendären Singapurer Effizienz vorangetrieben: Mit der neuesten Membrantechnologie tüftelte die Wasserbehörde ein System aus, das Abwässer in reinstes H2O verwandelt. Sie vermarktet das Wasser als "NEWater". Es ist reiner als Trinkwasser, wird aber vor allem im Industriebereich verwendet. Die Behörde ist sich im Klaren, dass mancher Verbraucher noch reserviert auf Trinkwasser aus Abwasser reagiert. Ein zweites Projekt war eine Anlage zur Meerwasserentsalzung. Paradestück ist der Damm für das innerstädtische Trinkwasserreservoir, der in den vergangenen drei Jahren für umgerechnet 120 Millionen Euro gebaut wurde. "Bis Anfang 2010 wird der See ausschließlich Süßwasser haben", sagt Yap.

Auf dem See dürfen dann nur noch elektrisch getriebene Boote fahren. Wassersportveranstaltungen sind erlaubt, Schwimmen nicht. Entlang des Ufers entsteht ein großer Park, auf der anderen wahrscheinlich eine Anlage mit Luxuswohnungen und Wasserfront.

Der neue See soll etwa zehn Prozent des Wasserbedarfs decken. Etwa 40 Prozent werden aus anderen Reservoirs gewonnen, zehn Prozent aus Meerwasser und 30 Prozent aus Abwasser - alles ausbaubar. Noch importiert Singapur 20 Prozent seines Bedarfs. Bald sei die Stadt nicht mehr darauf angewiesen, sagt PUB-Chef Khoo. Singapur will zum Wassertechnologie-Mekka der Welt werden. Im Juni findet dort das erste internationale Wasserforum statt.

Von Christiane Oelrich, dpa

Quelle: n-tv.de

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