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Bauern in Fukushima sind ratlos "So eine Krise gab es noch nie"

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Bauer Hideo Takahashi will in diesem Jahr auf den Anbau von Brokkoli verzichten.

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Manche Bauern nahe dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima verzichten in diesem Jahr auf ihre Ernte. Viele beackern dort seit Generationen ihr Land. Wie wird es nach der Katastrophe weitergehen?

Hideo Takahashi baut seit 30 Jahren in dem japanischen Dorf Iitate Brokkoli an. Seit mehreren Generationen bestellt seine Familie hier im Nordosten das Land. Doch nun ist alles anders: Iitate liegt 40 Kilometer vom zerstörten Atomkraftwerk Fukushima entfernt. Dieses Jahr wird Takahashi keinen Brokkoli ernten. Er und einige seiner Kollegen haben sich dagegen entschieden, denn im Boden ihres Dorfes wurden hohe Werte radioaktiven Cäsiums entdeckt. Die Provinz Fukushima ist ein Zentrum des Getreideanbaus, in der Reisproduktion liegt sie in Japan auf Platz vier. Mehr als 80.000 Bauern leben hier.

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Saichi Sato: "Ich versuche, mich zu beruhigen und weiterzumachen."

(Foto: picture alliance / dpa)

"Ich weiß nicht einmal, was morgen oder in einem oder in zwei Jahren mit uns passieren wird. Das ist alles sehr schmerzvoll", sagt Takahashi. Japans Ministerpräsident Naoto Kan hatte die Provinz Fukushima im März aufgefordert, kein Gemüse und keine Rohmilch mehr zu verkaufen. Die Behörden hatten hohe Strahlenwerte in den Produkten gefunden. Sie warnten davor, Blattgemüse zu essen. Takahashi macht sich Sorgen, doch er will bleiben. "Ich habe noch nie darüber nachgedacht, diesen Ort zu verlassen."

Ratlos ist auch sein Kollege Saichi Sato. "Unsere Familie hat eine derartige Krise noch nie erlebt." Sato, der seinen Betrieb in der 17. Generation führt, baut Reis, Spinat, Tomaten und weitere Gemüsesorten an. Er beschäftigt sich mit organischer Landwirtschaft. "Ich versuche, mich zu beruhigen und weiterzumachen." Die Regierung hat Entschädigungen für die Verluste versprochen. Doch manche Bauern sind misstrauisch.

Sorge um die Dorfgemeinschaft

Der Viehhalter Yukio Kanno vermutet: "Sie werden es sich nicht leisten können, so vielen Bauern und Milchproduzenten Geld zu geben." Obwohl der Verkauf von Rindfleisch nicht beschränkt ist, macht sich Kanno Sorgen um das negative Image, das Nahrungsmitteln aus Fukushima nun anhaftet. "Wir sind sehr beunruhigt." Die Menschen fürchten aber nicht nur um ihre Lebensgrundlage, sie denken auch über ihr Zusammenleben nach. "In Tokio wissen viele Menschen nicht, wer ihre Nachbarn sind. Eine Dorfgemeinschaft dagegen hat viele starke Verbindungen, die sich durch die Landwirtschaft ergeben", sagt Seiju Sugeno. "Wenn wir aufhören, Bauern zu sein, könnte das Gemeinwesen zusammenbrechen."

Quelle: n-tv.de, Takehiko Kambayashi, dpa

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