Panorama

Grausamkeiten auf Augenhöhe So erbärmlich ist ein Schweineleben

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Ein Video zeigt unter welchen erbärmlichen Zuständen Schweine dahin vegetieren.

Dieses Video ist nichts für schwache Gemüter. Es bringt den Betrachter auf Augenhöhe mit Schweinen im Zuchtbetrieb. Den Blick kann er drehen, bewegen kann er sich nicht. Wie die Schweine - auch nicht, wenn es auf die Schlachtbank geht.

Es gibt unzählige Schlachthofvideos, die zeigen, wie für Millionen von Tieren die letzten Stunden ihres Lebens ablaufen. Oft sind die Bilder so schockierend, dass der Betrachter auf Distanz bleibt und das grausame Geschehen unter "ist ja nur ein Film" verbucht. In einem 360-Grad-Video, das die Tierschutzorganisation Animal Equality veröffentlicht hat, ist solche Distanz kaum mehr möglich.

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Der Betrachter schlüpft in die Perspektive und damit in die Rolle der Schweine und kommt der Realität so nahe, dass allein beim Zuschauen das Blut in den Adern gefriert. Er schaut auf das triste Stallleben, auf die Wunden der eingepferchten Artgenossen, auf die eingekasteten Sauen, umgeben von vor Angst schreienden Ferkeln und der blutigen Masse der Nachgeburt.

Das achtminütige Video zeigt den Zyklus eines Schweins von der Geburt, der Aufzucht bis zur Schlachtung. Durch die Augen der Schweine sieht der Betrachter schreiende, blutende und sterbende Artgenossen. Er kann die Blickrichtung mittels Maus drehen und wenden und den Blick vom Gemetzel gegen die Wand richten, nur weglaufen kann er nicht. So wie das Schlachtschwein selbst auch nicht weglaufen kann.

"Dein Verbrechen ist es, geboren zu sein"

Sänger Thomas D hat für das ohnehin beklemmende Video einen Text eingesprochen, der vom Leid der Tiere handelt: "Du weißt nicht, warum du hier bist. Aber du bist hinter Gittern. Um dich herum siehst du zahllose andere wie dich. Links neben dir sucht jemand hilflos Trost. So lange du denken kannst, ist es so gewesen. Du wurdest in einem Käfig in den Exkrementen deiner Mutter geboren, aber sie kann nichts dafür. Sie hatte nie eine Wahl. Im einzigen Monat, in dem du bei ihr warst, lag sie eingepfercht am Boden. Ohne sich bewegen zu können, ohne dir ihre Liebe geben zu können.

Viele deine Geschwister überleben in diesem Nährboden von Krankheiten nicht einmal eine Woche. Wenn du es bis dahin schaffst, werden dir die Zähne abgeschliffen, dein Ringelschwanz kupiert und du wirst kastriert. Alles ohne Betäubung. Ohne jegliche medizinische Versorgung landest du wieder im dreckigen Käfig, in dem du geboren wurdest. Du wirst hier niemals frische Luft atmen, niemals frisches Wasser trinken, nie warme Sonnenstrahlen spüren. Deine Strafe ist härter als die der abscheulichen Verbrecher. Dein Verbrechen ist es, geboren zu sein. Als hättest du eine Wahl gehabt. (...)

Wenn du den Mastbetrieb überlebst, musst du erkennen, dass diese ersten sechs Monate deines Lebens deine letzten waren. Dein nächster und letzter Halt: der Schlachthof. Dort im dichten Gedränge siehst du den Körper derer, die nur Momente vor dir ankamen. Aufgereiht und blutend. (...) Dann bist du an der Reihe. Wie so viele andere vor dir, bist du bei vollem Bewusstsein als dir die Kehle aufgeschnitten wird. (...)"

Nichts ist besonders oder illegal

Eineinhalb Jahre hat Animal Equality an dem Video gearbeitet. Neun "Ermittler", wie sie sie selber nennen, machten Aufnahmen in fünf Ländern, darunter auch in Deutschland. Die meisten Aufnahmen sind nach Angaben der Tierschutzorganisation zufolge in Spanien entstanden. Verallgemeinern kann man die Recherche jedoch nicht, viele Betriebe in Deutschland bemühen sich, Tiere artgerecht zu züchten.

Zugang zu den Schlachthöfen wurde den Aktivisten in einigen Fällen frei gewährt, manches Mal haben sie sich unter einem Vorwand eingeschlichen, manches Mal sind sie auch eingedrungen. Juristischen Ärger gab es nicht. Das überrascht kaum, denn nichts, was man im Video sehen kann, ist illegal. Auch der traurige Höhepunkt des Videos nicht: Ein Schwein, mit schon aufgeschlitzter Kehle, strampelt sich vom Haken frei und knallt in die Blutwanne. Die Betäubung hatte nicht funktioniert.

Quelle: n-tv.de, dsi