Panorama

Der Kandidat und sein Gesichtshaar So wichtig ist der Bart für Martin Schulz

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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kommt am 04.02.2017 zum Hessengipfel der SPD in Friedewald (Hessen). Die Klausurtagung steht unter dem Motto

Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sieht sich mit Kritik an seinem Bart konfrontiert.

(Foto: dpa)

Inmitten der Jubeltöne um die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz kritisiert Promi-Friseur Udo Walz die Barttracht des SPD-Politikers. Doch wie entscheidend ist es, ob ein Kanzlerkandidat Bart trägt?

Kaum ist Martin Schulz offizieller Kanzlerkandidat der SPD, klettert die Partei in Umfragen von einem Höchstwert zum nächsten. Inmitten dieses Höhenflugs meldet sich Promi-Friseur Udo Walz zu Wort. "Der Bart muss ab", tönte Walz in Richtung Schulz. Dies sei nur zu dessen Vorteil, versteht sich: "Weil das jünger aussieht, gepflegter. Das würde ihm helfen", sagte der 72-Jährige. Doch hat Schulz diese Hilfe nötig? Ist es wirklich entscheidend, ob ein Kanzlerkandidat einen Bart trägt?

Zumindest hat es bisher noch keinen einzigen bärtigen Bundeskanzler gegeben. Im Bundestagswahlkampf 1994 warb die CDU gar mit dem Slogan "Politik ohne Bart" – als Reaktion auf die Kandidatur des bärtigen Sozialdemokraten Rudolf Scharping. Die Christdemokraten entschieden damals die Wahl für sich und stellten mit ihrem schier übermächtigen - und bartlosen - Vorsitzenden Helmut Kohl zum vierten Mal in Folge den Bundeskanzler.

Der Vergleich zu Scharping wurde in den vergangenen Tagen oft gezogen. Denn erstmals seit 1994 tritt die SPD wieder mit einem Bartträger mit Brille als Kanzlerkandidat an. In kaum einem Porträt des bisherigen Präsidenten des Europaparlaments fehlt der Hinweis auf diese beiden Kennzeichen, auch wenn an ihnen häufig die Durchschnittlichkeit des Kandidaten festgemacht wird. Der "Taz" zufolge atmen Schulz' Bart- und Brillenmode "den Swag eines Sparkassenangestellten". Das ist nicht unbedingt als Kompliment gemeint, aber sein Erspartes würde man ihm doch eher anvertrauen, als einem Gebrauchtwagenverkäufer mit flotter Tolle.

Auch Walz argumentiert, das Schulz'sche Bartmodell "Standard" sei für den Berliner Politbetrieb viel zu unscheinbar und uninteressant. Hinzufügen könnte man, dass trotz des anerkannten Trends zum Gesichtsgewächs im Politikbetrieb Bartträger noch immer in der Minderheit sind. Immerhin sitzen inzwischen mehr als sechs Dutzend Bartträger im Bundestag. In der aktuellen Bundesregierung gibt es jedoch niemanden, den man als Bartträger definieren könnte.

Dynamisches Markenzeichen

Schulz könnte trotzdem gute Gründe haben, an seinem bewährten Bart festzuhalten. Es scheint, als habe er über Jahrzehnte hinweg seinen eigenen Stil gefunden, der auch Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Mit einer vermeintlichen Styling-Offensive könnte der Rheinländer viele Sympathien einbüßen. Der Bart ist für Martin Schulz wichtig - nicht nur als modisches Accessoire und Markenzeichen, sondern auch als Symbol für Verlässlichkeit.

Ohnehin liegt der 61-Jährige voll im Trend: Seit wenigen Jahren erlebt der Bart eine Renaissance. Mittlerweile sprechen sich sogar Style-Experten für Bärte in Führungspositionen aus. Zudem bieten Bärte Stoff für preisgekrönte Kunst. Mit seinen ironischen Versen zum Thema Bart errang Patrick Salmen 2010 die Poetry-Slam-Meisterschaft. In seinem Text "Rostrotkupferbraunfastbronze" betont er, dass ein Bart nur etwas für echte Kerle sei: "Bart reimt sich auf hart! Nicht auf zart! Zart reimt sich auf glattrasiert!" Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber wird wissen, warum er auf Bart statt Milchbubi-Gesicht setzt.

Immerhin hält sich Schulz an den Ratschlag von Styling-Beratern zum Thema Bart: Wenn Gesichtsbehaarung, dann passend zum Typ und gepflegt. Der "Bunten" zufolge sitzt der SPD-Kanzlerkandidat alle ein bis zwei Wochen bei seinem Friseur Robert Mickartz in Würselen auf dem Stuhl. "Viele denken, bei ihm ist wegen der wenigen Haare nicht viel zu machen, aber sein Kopf darf nicht aussehen wie ein Kranz. Außerdem muss der Bart Dynamik haben", sagt der Mann, der wirklich etwas mit Schulz' Bart zu tun hat. Walz hingegen würde Schulz auch ohne Bart nicht wählen. Der sagt nämlich: "Ich liebe Angela Merkel".

Quelle: ntv.de