Panorama

"Akten bleiben offen" Stasi-Unterlagen-Behörde schließt endgültig

217069474.jpg

Menschen können auch weiterhin einen Antrag auf Akteneinsicht stellen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Stasi-Unterlagen-Behörde wird aufgelöst, die Akten kommen ins Bundesarchiv. Noch heute wollen Tausende Menschen einsehen, was die DDR rechtswidrig über sie dokumentierte. Die Papiere können noch viel bewirken, schreibt der scheidende Bundesbeauftragte Jahn in seinem letzten Bericht.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat den 15. und letzten Bericht zur Arbeit der Bundesbehörde vorgestellt. Die Stasi-Unterlagen-Behörde wird bis zum Sommer aufgelöst und das Archiv mit Millionen Akten der DDR-Staatssicherheit wird Teil des Bundesarchivs. Vom Jahresbeginn 1992 bis Ende 2020 wurden laut Unterlagen-Behörde mehr als 3,3 Millionen Anträge von Bürgern auf Einsicht in Papiere gestellt, die die DDR-Staatssicherheit rechtswidrig über sie anlegte. 2019 und 2020 waren es noch bis zu 4500 Anfragen.

Aus Sicht von Jahn könnte das Stasi-Unterlagen-Archiv, das der Friedlichen Revolution in der DDR zu verdanken sei, bei einem Dialog der Generationen helfen. Mit ihnen könne für Demokratie und Menschenrechte sensibilisiert werden, heißt es im letzten Tätigkeitsbericht Jahns. Bewahrt würden Dokumente begangenen Unrechts, aber auch Zeugnisse des Freiheitswillens. Die Möglichkeit, sich mit einem Stück deutscher Geschichte auseinanderzusetzen, habe kein Enddatum. Mit der Überführung sollen laut Bericht Kompetenzen, Technik und Ressourcen gebündelt werden. Dazu kommt die Digitalisierung - viele Papiere sind in einem schlechten Zustand. Die Arbeit mit den Stasi-Akten solle zukunftsfest gemacht werden.

Noch sind nicht alle Unterlagen rekonstruiert

Jahns Amtszeit endet im Juni, das Stasi-Unterlagen-Gesetz gilt jedoch weiter. Der frühere DDR-Oppositionelle unterstrich: "Die Akten bleiben offen." Zur Stasi-Hinterlassenschaft gehören allein mehr als 111 Kilometer Schriftgut. Hinzu kommen Hunderttausende Fotos sowie Tondokumente. Zudem lagern in mehr als 15.000 Säcken zerrissene und noch nicht erschlossene Papiere. Die in großem Stil geplante, virtuelle Rekonstruktion kam bislang nicht zustande. Dies bleibt laut Jahn aber eine Aufgabe.

Nach dem Mauerfall hatten Bürgerrechtler einen großen Teil der Unterlagen der DDR-Staatssicherheit vor der Vernichtung gerettet. Künftig soll sich ein Opferbeauftragter im Bundestag um die Anträge kümmern, die wie bisher gestellt werden können. Die Besetzung steht noch nicht fest. Jahn selbst will die neue Stelle nach eigenen Worten nicht.

Jetzt müssten Jüngere in die Verantwortung gehen, sagte der 67-Jährige. Den Opfern der SED-Diktatur gerecht zu werden und zugleich eine Brücke zu den nächsten Generationen zu schlagen, sei für die Zukunft festgeschrieben. Bei der Sonderbehörde wurden seit ihrem Bestehen insgesamt 7,3 Millionen Ersuchen und Anträge gestellt - auch von Behörden oder Wissenschaftlern.

Quelle: ntv.de, spl/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.