Panorama

Folgen der Corona-Krise Steigende Ticketpreise im ÖPNV erwartet

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Leere Bahnwagen sind Sinnbild der Corona-Krise im ÖPNV.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wieder mehr Fahrgäste gewinnen und Infektionen vermeiden - das sind die Kernziele des Nahverkehrs. Damit Bus und Bahn wieder attraktiv werden, müssen sie sich "neu erfinden", glauben Mobilitätsforscher. Dazu bedarf es auch neuer Konzepte und Belüftungssysteme. Am Ende zahlt der Fahrgast.

Trotz eingebrochener Fahrgastzahlen wegen der Corona-Pandemie droht den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Ansicht des Mobilitätsforschers Stephan Rammler kein dauerhafter Rückschlag. "Entwöhnungen bei denen, die mit dem ÖPNV groß geworden sind, die kein eigenes Auto oder keinen Führerschein haben, brauchen lange", sagte Rammler. Allerdings müsse sich insbesondere der Nahverkehr in Städten "neu erfinden" und auf das Virus einstellen. Der Forscher rechnet mit steigenden Ticketpreisen.

Um wieder mehr Fahrgäste zu gewinnen und Infektionen in Bussen und Bahnen zu vermeiden, seien neben Rücksichtnahme der Passagiere und Maskentragen auch neue Ein- und Ausstiegskonzepte sowie Belüftungssysteme nötig, sagte Rammler, der in Berlin das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung leitet. Er rechnet zwar mit höheren Ticketpreisen, mit denen die Verkehrsgesellschaften ihre massiven finanziellen Verluste in der Krise ausgleichen. "Die Erhöhungen werden sich allerdings im Rahmen halten."

Fahrrad und Auto hoch im Kurs

In der Corona-Krise sei zwar vorübergehend ein "Rollback" in Richtung des Privatautos zu beobachten, sagte Rammler. Dieser Effekt sei jedoch vor allem bei Menschen zu beobachten, die beispielsweise erst seit Kurzem auf das eigene Auto verzichten.

Zugleich habe der Fahrradverkehr in den Städten während der Pandemie "massive Impulse" erhalten, die etwa Berlin durch zusätzliche sogenannte Pop-up Radwege unterstützt. "Im Fahrradverkehr etablieren wir gerade neue Routinen, es kommen neue Nutzer hinzu, die früher unter anderem wegen des dichten Autoverkehrs nicht mit dem Fahrrad gefahren sind", sagte Rammler.

Setze sich diese Entwicklung fort, könnten Fahrradfahrer künftig bis zu 30 Prozent des gesamten Verkehrs in deutschen Städten ausmachen. Dazu seien jedoch weitere politische Entscheidungen und Verbesserungen der Infrastruktur nötig, sagte der Mobilitätsforscher. Der Trend könnte auch durch eine Mobilitätsprämie der Bundesregierung unterstützt werden, die neben Elektroautos auch etwa den Fahrradkauf fördert.

Quelle: ntv.de, mba/AFP