Panorama

Ex-Uranminen beunruhigen Umweltschützer Strahlenbelastung am Wanderweg

Auf den ersten Blick ist es einer von vielen malerischen Wanderwegen, die im Hinterland der bretonischen Küste durch saftig grüne Wälder und Wiesen führen. Doch die Idylle trügt.

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Windkraftanlagen in Goulien, Bretagne: Im atomkraftgesättigten Frankreich hat es die Windkraft bislang schwer gehabt. AKW decken etwa 80 Prozent des Strombedarfs des Landes.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hier, nahe der kleinen Dörfer Rosglas und Meslan wurde bis in die 70er Jahre hinein Uran für die französische Atomindustrie abgebaut. Von den beiden einstigen Minen ist nichts mehr zu sehen, sie sind heute von Sträuchern und Bäumen überwuchert. "Doch die Strahlung ist noch immer da", sagt Chantal Cuisnier, Mitglied einer lokalen Gruppe des französischen Netzwerks für Atomausstieg "Sortir du Nucléaire".

Messungen der regierungsunabhängigen Kommission für Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD) zufolge ist die radioaktive Belastung in einem Umkreis von 500 Metern um die einstigen Minen um bis zu 20 Mal höher als normal. Spaziergänger erfahren dies freilich nur, wenn sie ein Warnschild lesen, das Atomkraftgegner an dem Wanderweg aufgestellt haben.

Ums Zehnfache erhöhte Strahlung

Der französische Atomkonzern Areva, der die ehemaligen Minen von dem Vorgängerbetrieb Cogema geerbt hat, räumt eine um das Zehnfache erhöhte Strahlung ein. Dies sei auch "nicht überraschend", sagt Areva-Sprecher Maxime Michaut. Schließlich sei hier einst Uran abgebaut worden. Die Strahlung stelle aber "keine unmittelbare Gefahr für die Volksgesundheit dar". Im übrigen kontrolliere der Konzern die Standorte regelmäßig - wie die übrigen rund 200 ehemaligen Uran-Minen in Frankreich. Sollte es notwendig sein, werde "von Fall zu Fall" über das Vorgehen entschieden, versichert Michaut.

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In Frankreich betreibt Areva mittlerweile keine Uranminen mehr, nur noch im Ausland.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Cuisnier und ihre Mitstreiter können solche Argumente freilich nicht überzeugen. Jede radioaktive Dosis könne Zellen zum Mutieren bringen und letztlich Krebs auslösen, sagt die Atomkraftgegnerin. Und hier gehe es um stark erhöhte Strahlenwerte, nur einige hundert Meter von einem Wanderweg entfernt. Diese Belastung sei "nicht hinnehmbar", stellte die CRIIRAD bereits 2008 in einem Bericht fest. Die Experten der Organisation fordern schon seit langem, dass die ehemaligen Minen gründlich gesäubert und die verseuchte Erde entfernt wird.

Areva lange untätig

Der Konzern Areva habe jahrelang überhaupt nichts getan, kritisiert der Bürgermeister von Meslan, Ange Le Lan. Erst die Mobilisierung der örtlichen Umweltschutzgruppen habe dazu geführt, dass das Unternehmen die Strahlung nun immerhin überwache.

Auch Eltern, die an der Dorfschule auf ihre Kinder warten, zeigen sich über die Nähe zu den ehemaligen Minen nicht gerade glücklich. "In einer Gegend mit Uranvorkommen zu leben, sei "nicht immer leicht", sagt eine Mutter. "Ich kann nicht sagen, dass ich mich dabei sehr wohl fühle", gesteht die Französin, die erst vor kurzem in das bretonische Dörfchen gezogen ist. "Nichts wird getan", macht ein Vater seinem Ärger Luft. "Wir werden nicht informiert, die Dinge werden nicht offengelegt".

Frankreich begann nach Kriegsende, Uran zu fördern. Die meisten der 200 Minen wurden in den 70er und 80er Jahren geschlossen, die letzte aber erst im Jahre 2001. Heute betreibt der Areva-Konzern Uran-Minen in anderen Teilen der Welt, vor allem in Afrika. Benötigt wird das Material für die 58 Reaktoren, die gut Dreiviertel des französischen Strombedarfs decken.

Quelle: n-tv.de, Simon Coss, AFP

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