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Zivilgericht muss entscheiden Streit um Hitler-Pferde bleibt offen

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Die zwei "Schreitenden Pferde", die vor Hitlers Neuer Reichkanzlei gestanden hatten, galten seit Kriegsende als vermisst.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wem gehören zwei Bronzepferde, die einst vor Hitlers Reichskanzlei standen und jahrzehntelang als vermisst galten? Nur ein Zivilgericht kann diese Frage klären, befinden jetzt Verwaltungsrichter in Berlin.

Der Streit um die beiden im pfälzischen Bad Dürkheim entdeckten die zwei prominenten bronzenen Rösser könnte weitergehen: Nach einem nun veröffentlichten Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin bleibt zunächst die Bundesrepublik für die Skulpturen verantwortlich. Wem sie wirklich gehören, müsste zivilrechtlich geklärt werden.

Die beiden Pferde von Josef Thorak (1889-1952), die bis 1943 vor der Reichskanzlei Adolf Hitlers in Berlin standen, waren im Mai zusammen mit weiteren NS-Skulpturen in einer Lagerhalle in Bad Dürkheim entdeckt und beschlagnahmt worden. Der Mieter der Halle erhebt Anspruch darauf.

Das Bundesvermögensamt hatte die Werke jedoch als ehemaliges Reichsvermögen der Bundesrepublik "zugeordnet", wie es juristisch heißt. Diese Entscheidung bestätigte das Verwaltungsgericht mit seinem Urteil vom 23. November.

Dabei geht es allerdings nur um die formale Frage, wer zunächst Ansprechpartner ist. "Dies hat zur Folge, dass die Klärung der tatsächlichen Eigentümerstellung an dem Vermögenswert den Zivilgerichten vorbehalten bleibt", so das Verwaltungsgericht.

Hallenmieter prüft weitere Schritte

Der Anwalt des Hallenmieters, Andreas Hiemsch, sagte auf Anfrage, er werde mit seinem Mandanten über das weitere Vorgehen beraten. Der Mann hatte geltend gemacht, er habe die Skulpturen vor mehr als 25 Jahren rechtmäßig von der russischen Armee und den früheren Herstellern gekauft.

Die zwei "Schreitenden Pferde", die vor Hitlers Neuer Reichkanzlei gestanden hatten, galten seit Kriegsende als vermisst. Erst 1989 tauchten sie in Eberswalde auf, verschwanden aber abermals, bis sie im Mai bei der Razzia in Bad Dürkheim gefunden wurden.

Thorak galt als einer der populärsten Bildhauer der Nazizeit. Vor Kriegsbeginn noch ließ Hitler ihm in Oberbayern ein riesiges Atelier bauen für bis zu 17 Meter hohe Plastiken. Die Entnazifizierung überstand der Bildhauer unbeschadet, auch nach dem Krieg bekam er bis zu seinem Tod 1952 öffentliche Aufträge. In Salzburg wurde auch eine Straße nach ihm benannt.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa