Panorama

Wäscheleinen-Aktivismus Streit um luftgetrocknete Schlüpfer

Susan Taylor aus Awbrey Butte im US-Staat Oregon trocknet ihre Wäsche gern draußen an der Leine. Nicht nur, dass Hemden, Handtücher und Bettlaken dann frischer riechen als es das beste Duftmittel im elektrischen Trockner bewirken kann. Hauptsächlich geht es der 55-Jährigen darum, einen Beitrag zum Kampf gegen die globale Erwärmung zu leisten.

Schließlich entfallen ungefähr sechs Prozent des gesamten Stromverbrauchs in US-Haushalten auf Wäschetrockner. Das sichert ihnen den dritten Rang als Energiefresser nach Kühlschränken und Lampen, wie laut "Wall Street Journal" eine Erhebung der Bundesbehörde für Energie-Information ergeben hat. Gleich mehrere gute Gründe für Taylor also, ihre Wäsche im Wind flattern zu lassen.

Wäscheleinen verbannt

Aber nun ist es damit vorbei. Denn Taylor gehört zu den etwa 60 Millionen Amerikanern, die in einer von einem gewählten Hausbesitzer-Verband verwalteten Gemeinde leben, zumeist mondäne Siedlungen für Besserbetuchte. Etwa 300.000 gibt es davon in den USA, und in den meisten Siedlungen ist das öffentliche Wäschetrocknen durch entsprechende Beschlüsse der Verbände verboten. Wäscheleinen seien hässlich, und der Wert eines Hauses könne um 15 Prozent sinken, wenn in der Nachbarschaft draußen angeklammert werde, sagt zum Beispiel Richard Monson, Präsident des Dachverbandes der kalifornischen Hausbesitzer-Vereinigungen. "Hausbesitzer von heute wollen keine Unterwäsche in der Öffentlichkeit sehen."

Nach mehreren Drohungen des örtlichen Nachbarschaftsrates, rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten, blieb auch der umweltbewussten Susan Taylor nichts anderes übrig, als ihre Leine in die heimische Garage zu verlegen - bei leicht geöffneter Tür, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Wenn ihr die Regeln nicht passten, könne sie ja wegziehen, hatte man ihr zu verstehen gegeben.

Umzug als einziger Ausweg

Inzwischen denkt Taylor tatsächlich über einen Umzug nach - so wichtig ist ihr das Recht aufs Trocknen mittlerweile geworden. Und sie steht damit nicht allein da. Immer mehr Amerikaner schwören hauptsächlich aus Umweltschutzgründen dem elektrischen Trockner ab oder wollen es tun, berichtet Alexander Lee. Er ist der Gründer des "Projekts Wäscheliste", der ersten Pro-Wäscheleine-Organisation in den USA, wie er sagt. Immer mehr Bürger wendeten sich an seine Gruppe und fragten nach rechtlichem Rat, das heißt Wegen, die leinenfeindlichen Hausbesitzer-Vereinigungen zum Einlenken zu zwingen, schildert Lee. Er spricht von einer wahren Wäscheleinen-Bewegung, die zunehmend an Dampf gewinne.

Dem "Wall Street Journal" zufolge gibt es mittlerweile zehn US-Bundesstaaten, in denen Hausbesitzer-Vereinigungen in ihrer Befugnis eingeschränkt wurden, die Installation von Sonnenenergie-Vorrichtungen zu verbieten. Allerdings ist in acht Staaten unklar, ob auch Wäscheleinen in diese Kategorie fallen. Nur in Florida und Utah ist ausdrücklich festgelegt, dass niemand das Recht habe, die Wäscheleine zu verbannen. In Vermont soll im kommenden Januar über einen ähnlichen Gesetzentwurf abgestimmt werden.

Wäscheleinenbedarf in allen US-Staaten

Hier, in diesem nordöstlichen Bundesstaat, betreiben Michelle Baker und ihr Mann seit April ein Wäscheleinen-Geschäft. Sie kamen auf die Idee, nachdem sie selbst in Läden über Läden vergeblich nach einer Leine gesucht hatten, die auch in den kalten Wintern Vermonts hält und dazu auch noch gut aussieht. So drehten sich die Eheleute ihren eigenen Strick - ein Produkt in Blütenweiß. Inzwischen erhalten die Bakers Bestellungen aus allen Teilen der USA. Nach Medienberichten melden auch andere Geschäfte einen deutlich gestiegenen Absatz.

Von Gabriele Chwallek, dpa

Quelle: n-tv.de