Panorama

Politiker auf offener Bühne bedroht Student zückt Pistole

Bei einem Parteikongress in Bulgarien stürmt auf einmal ein Student die Bühne und hält dem Vorsitzenden, der gerade eine Rede hält, eine Pistole an die Schläfe. Der Politiker schubst ihn Weg. Die Tat soll eine Protestaktion sein.

Entsetzen in Bulgarien: Auf einem Parteikongress hat ein Attentäter versucht, aus unmittelbarer Nähe auf den Vorsitzenden der liberalen Türkenpartei, Ahmed Dogan, zu schießen. Der Angreifer trat an Dogan heran, als dieser eine Rede vor einem Kongress seiner Partei DPS hielt. Dogan wurde bei dem Vorfall nicht verletzt. Der Mann habe versucht zu schießen, doch die Gaspistole versagte, sagte der Staatsanwalt von Sofia nach ersten Ermittlungen.

Die Bewegung für Rechte und Freiheiten DPS sprach von einem "politischen Anschlag". Doch der Angreifer wollte Parteichef Dogan "nicht töten, sondern nur einschüchtern", wie die Polizei nach der Vernehmung des festgenommenen 25-jährigen Türken mitteilte. Auch die Patronen in der Gaspistole waren nach amtlichen Angaben ungeeignet zum Töten – es handle sich um zwei Alarmpatronen. Die dritte war mit Pfeffermunition gefüllt und zur Abwehr gegen Hunde gedacht.

"Sprache des Hasses gegen die DPS"

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Sicherheitskräfte und Parteimitglieder überwältigen den Mann. Dann schlagen und treten sie auf ihn ein.

(Foto: dpa)

Fernsehaufnahmen zeigen, wie Dogan nach dem ersten Schreck versucht, den Angreifer wegzustoßen. Dann springen mehrere Männer auf das Podium und überwältigen den Angreifer. Er wird zum Boden gerissen und brutal getreten. Seine Nase blutet. Der Angreifer, ein Student, soll sich mit einer gefälschten Karte als Delegierter ausgegeben haben. Er hat nach Polizeiangaben einen kriminellen Hintergrund.

Der gescheiterte Anschlag schlug hohe politische Wellen. Dogans liberale Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) verurteilte "die Sprache des Hasses gegen die DPS". Auf dem Kongress war auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, anwesend.

Dogan will zurücktreten

Kritiker der Türkenpartei sprachen dagegen von einer "Farce" und "Image-Aktion", mit der die DPS parteiinterne Konflikte zu lösen versuche. Denn Dogan war wegen Vorwürfen der Korruption immer wieder in die Kritik geraten, was der DPS politisch schadet.

Dogan zog sich nach dem Vorfall vom Parteivorsitz zurück – diese Absicht war allerdings bereits in einer vor dem Anschlag geschriebenen Rede enthalten.

Die von Dogan gegründete Bewegung der türkischen Minderheit DPS ist im Parlament in Sofia und im EU-Parlament vertreten. Die DPS war bis Mitte 2009 an einer sozialliberalen Koalitionsregierung in Sofia beteiligt. Dogan galt als einer der einflussreichsten Politiker des Balkanlandes. Rund zehn Prozent von 7,3 Millionen Menschen in Bulgarien sind ethnische Türken. Sie besiedeln Gebiete im Nord- und Südosten Bulgariens.

Quelle: n-tv.de, dpa