Panorama

Lage auf "Costa Concordia" gefährlichSuche nach Vermissten eingestellt

31.01.2012, 15:12 Uhr
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Etwa ein Jahr soll die Bergung des Schiffes dauern - schätzt der Krisenstab. (Foto: AP)

Der Krisenstab bricht die Suche nach Vermissten in der havarierten "Costa Concordia" ab. Die Sicherheit der Helfer stehe im Vordergrund, heißt es zur Begründung. Derweil wird das sechste deutsche Todesopfer identifiziert. Das Unglück lässt zudem die Buchungen für Kreuzfahrten einbrechen. Und auch die Bewohner von Giglio machen sich ernsthafte Sorgen.

Die Suche nach Vermissten im Wrack der "Costa Concordia" ist endgültig eingestellt worden. Die Suchaktionen im Inneren des Schiffs würden aus Sorge um die Sicherheit der Taucher beendet, sagte ein Sprecher der italienischen Feuerwehr. Die Sicherheitsbedingungen im Inneren des Wracks seien "nicht mehr annehmbar". Der Zivilschutz informierte nach eigenen Angaben die betroffenen Familien und Botschaften über die Entscheidung. Bislang wurden 17 Tote aus dem am 13. Januar vor der Toskana-Insel Giglio havarierten Schiff geborgen.

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Die Arbeit der Helfer wird immer gefährlicher. (Foto: REUTERS)

Die Suche nach Vermissten im über Wasser liegenden Teil des Wracks soll aber fortgesetzt werden, hieß es. Auch soll mit Spezialgerät nach möglichen Todesopfern auf dem Meeresgrund in einem 18 Quadratkilometer großen Gebiet um die "Costa Concordia" gesucht werden. Die Entscheidung zur Einstellung der Sucharbeiten der Taucher traf der technische Leiter der Aktion und Feuerwehrchef der Stadt Grosseto, Ennio Aquilino, in Absprache mit weiteren Verantwortlichen. Demnach lagen Informationen über eine Verformung des Schiffsrumpfes an den Stellen vor, an denen die Helfer Löcher gesprengt hatten. Befürchtet wurde unter anderem, dass die Taucher nicht mehr aus dem Wrack herauskommen könnten.

Wie das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, wurde inzwischen ein sechstes deutsches Todesopfer identifiziert. Es handelt sich um die zweite als vermisst gemeldete Frau aus Baden-Württemberg. Am Montagabend habe das Bundeskriminalamt unter Berufung auf italienische Behörden die Polizeidirektion Biberach über den Tod der 66-Jährigen aus Achstetten informiert, hieß es. Bereits am Montag hatte das Landeskriminalamt den Tod einer 71-Jährigen aus Neuffen bestätigt. Derzeit werden noch insgesamt 15 Menschen vermisst, darunter sechs Deutsche.

Einwohner gründen Bürgerkomitee

In den vergangenen Tagen hatten die Taucher ihre Suche wegen hohen Wellengangs und kleiner Bewegungen des Schiffs immer wieder unterbrechen müssen. Die Arbeit im Inneren des Wracks war ohnehin extrem schwierig, weil beispielsweise herumschwimmende Möbel die Taucher behinderten und trübes Wasser ihre Sicht einschränkte. Zudem war jeder Tauchgang auf 50 Minuten begrenzt, tief ins Innere des Wracks konnten die Taucher daher nicht vordringen.

Ursprünglich hatten Experten am Wochenende zudem beginnen sollen, den Treibstoff aus dem Wrack zu pumpen. Schlechtes Wetter und starker Seegang behinderten jedoch die Arbeiten. An Bord des Schiffs befinden sich weiterhin rund 2400 Tonnen Treibstoff. Zudem drohen Öle, Farben, Reinigungsmittel und Müll von der "Costa Concordia" das Meeresschutzgebiet rund um Giglio zu verschmutzen. Vor einem Ausschuss des italienischen Senats sagte Costa-Chef Pier Luigi Foschi, mit dem Abpumpen des Treibstoffs der "Costa Concordia" werde "binnen 24 Stunden begonnen".

Die langwierigen Bergungsarbeiten lösten auch bei den Bewohnern von Giglio Besorgnis aus. Rund 200 Einwohner gründeten am Montag ein "Bürgerkomitee", das der vom Tourismus abhängigen Insel in der Sommersaison helfen soll. Ein Leck in den Treibstofftanks der "Costa Concordia" hätte möglicherweise nicht nur schwerwiegende Folgen für die Umwelt, sondern auch für den Tourismus in der Region und damit für die Existenzgrundlage der Inselbewohner, sagte Samantha Brizzi, Leiterin der Tourismusbehörde von Giglio.

In den Sommermonaten wächst Giglios Bevölkerung von etwa 800 auf rund 5000 Menschen. Die Touristen kommen vor allem wegen des kristallklaren Küstenwassers auf die Insel. Der italienische Krisenstab hatte am Wochenende angekündigt, . Zunächst müssten der Auftrag vergeben werden und das ausgewählte Unternehmen einen Plan ausarbeiten, sagte der Leiter des italienischen Krisenstabs, Franco Gabrielli.

Buchungen für Kreuzfahrten gehen zurück

Das Unglück der "Costa Concordia" verdirbt auch vielen Menschen die Lust auf Kreuzfahrten. Die Buchungen bei der italienischen Unglücksreederei "Costa" seien "deutlich" zurückgegangen, teilte der US-Mutterkonzern Carnival mit. Durch zahlreiche Umbuchungen sei es aber schwer, genaue Zahlen zu nennen, hieß es im Geschäftsbericht.

Bei allen anderen Tochtergesellschaften bezifferte Carnival den Buchungsrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 15 Prozent. "Nach dem Vorfall haben wir unsere Marketingaktivitäten deutlich zurückgefahren." Den größten Einbruch habe es drei Tage nach dem Unglück gegeben. Seitdem scheint es wieder aufwärts zu gehen.

Der Konzern rechnet alleine im laufenden Geschäftsjahr mit Kosten von 155 bis 175 Millionen Dollar (118 bis 133 Mrd Euro) wegen des Unglücks. Das Schiff selbst war zwar mit einer halben Milliarde Dollar versichert, doch Carnival muss den Einnahmeausfall verkraften. Ob die "Costa Concordia" jemals wieder fährt, ist indes offen. Carnival erklärte, derzeit würden die Schäden begutachtet.

Mit mehr als 100 Schiffen ist Carnival die Nummer eins der Kreuzfahrt-Konzerne weltweit. Ihr Marktanteil liegt bei rund 50 Prozent. Carnival gilt deshalb als Barometer für die seit Jahren boomende Branche. Auch die deutsche Reederei "AIDA Cruises" und die britische "Cunard" mit dem Flaggschiff "Queen Mary 2" gehören zum Konzern. Hauptmarkt für Carnival sind allerdings die USA.

Quelle: AFP/dpa