Panorama

Stadt debattierte Ausweisung Syrer nach Überfall auf Klub verurteilt

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Der Klub "Le Frosch" in Frankfurt an der Oder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Streit in Frankfurt an der Oder eskaliert: Besucher eines Klubs werden vor die Tür gesetzt und holen sich Verstärkung. Einige der später Beschuldigten sind syrische Flüchtlinge. Im Vorfeld des Prozesses fordert der Bürgermeister die Ausweisung der jungen Männer. Einer wird nun verurteilt.

Gut zwei Jahre nach einem Überfall auf eine Diskothek in Frankfurt an der Oder hat ein Angeklagter vor dem Landgericht der brandenburgischen Stadt ein Geständnis abgelegt und sich entschuldigt. Das Gericht verurteilte den 42-jährigen Syrer wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, wie ein Sprecher mitteilte. Da der Mann bereits wegen anderer Delikte in Haft sitzt, wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verhängt.

Der Angriff auf den Klub "Le Frosch" im August 2018 hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt, weil es sich bei den Beschuldigten zumindest teilweise um Flüchtlinge handelte. Gegen vier weitere Angeklagte wird getrennt verhandelt, aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Verfahren abgetrennt. Zwei der ursprünglich Angeklagten waren in der Disko mit zwei anderen Gästen in Streit geraten. Nachdem der Klubbesitzer sie vor die Tür setzte, sollen sie sich laut Anklage mit einer Gruppe von 10 bis 15 Menschen verabredet haben, darunter auch der Verurteilte.

Bewaffnet mit Stangen, Messern, Steinen und Gürteln sollen sie Besucher angegriffen und die Räumlichkeiten der Diskothek beschädigt haben. Einer der Beschuldigten soll mit einer Mülltonne die Eingangstür eingeschlagen und versucht haben, mit einem Messer auf Klubbesucher einzustechen.

"Habe damals eine schwierige Zeit durchgemacht"

Im Rahmen seines Geständnisses entschuldigte sich der Angeklagte in der Verhandlung und sagte laut dem Gerichtssprecher, er habe zum Tatzeitpunkt eine "schwierige Zeit" durchgemacht. Er habe in Deutschland "nicht richtig Fuß fassen können" und viel getrunken.

Der Frankfurter Oberbürgermeister René Wilke von der Linken hatte nach dem Vorfall die Ausweisung der mutmaßlichen Täter gefordert. Bei ihnen handelt es sich um syrische Staatsangehörige. Das brachte Wilke Kritik auch aus den eigenen Reihen ein. Parteikollegen und die Grünen warfen ihm Symbolpolitik vor.

Die AfD hingegen begrüßte den Kurswechsel. "Im Gegensatz zur AfD verurteile ich nicht alle Flüchtlinge pauschal", sagte Wilke in einem Interview mit der Berliner Tageszeitung "B.Z." nach dem Vorfall im Jahr 2018. "Es geht hier um Einzelfälle." Aufgrund der Corona-Pandemie startet der Prozess für die restlichen vier Angeklagten voraussichtlich erst im kommenden Jahr. Ob dem nun Verurteilten im Anschluss an seine Haftstrafe die Abschiebung droht, war unklar.

Quelle: ntv.de, mau/AFP