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Jagdrevier für Reiche geplant? Tansania soll 40.000 Masai vertreiben wollen

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Masai vor einem Wahllokal in Kenia: Der ostafrikanische Volksstamm lebt hauptsächlich von der Viehzucht.

(Foto: REUTERS)

Um ein Großwild-Jagdrevier für eine Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu schaffen, plant die Regierung Tansanias angeblich die Umsiedlung Zehntausender Masai. Ein ähnliches Vorhaben war 2013 nur an internationalem Protest gescheitert.

Nach Angaben von Aktivisten plant die Regierung Tansanias rund 40.000 Angehörige des Volksstammes der Masai aus ihren Siedlungsgebieten im Norden des Landes zu vertreiben. Wie die Kampagnengruppe Avaaz berichtet, sollen rund 1500 Quadratkilometer des ostafrikanischen Landes im Bezirk Loliondo in ein Jagdrevier für ein Gastronomie-Unternehmen umgewandelt werden, das für die Königsfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate arbeite.

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Elefantenkadaver: Für zwei Jagdsaisons soll Tansanias Regierung rund 240.000 Euro erhalten haben.

(Foto: REUTERS)

Die Regierung Tansanias in Daressalam schwieg bislang zu den Vorwürfen. Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte sie ein ähnliches Vorhaben in der Region angeblich fallengelassen. Nun werden Vermutungen laut, dass es sich dabei lediglich um eine vorgetäuschte Abkehr von den Plänen gehandelt habe.

Den Masai sei angeblich eine Frist bis zum Ende dieses Jahres gesetzt worden, um das Gebiet zu verlassen, berichtete die britische Zeitung "The Guardian". Im Gegensatz zum vorherigen Vorhaben seien den Masai für das Verlassen des Gebietes umgerechnet rund 460.000 Euro angeboten worden. Das Geld solle nicht direkt an sie ausgezahlt werden, sondern in soziale Projekte fließen. Vertreter des Volksstammes sollen sich nun mit Premierminister Mizengo Pinda getroffen haben, um ihrer Ablehnung der Offerte Ausdruck zu verleihen.

"Elefantenjagd für ein paar Adelige"

Nach Angaben von Avaaz habe das Unternehmen, welches angeblich das Jagdrevier plane, binnen zwei Jagdsaisons über 2700 Tiere erlegt, darunter beispielsweise Löwen, Leoparden und Büffel. Dafür habe es umgerechnet insgesamt knapp 240.000 Euro bezahlt.

In einer Online-Petition gegen das Vorhaben aus dem vergangenen Jahr sammelte Avaaz rund 1,7 Millionen Stimmen gegen die Pläne der tansanischen Regierung. "Dieses Geschäft wäre desaströs für den Ruf Tansanias, für die Tierwelt und für die Masai", erklärte die Gruppe. "Die Masai blicken einen von beinahe jedem Tourismus-Plakat Tansanias an, aber jetzt will die Regierung sie von ihrem Land vertreiben, damit ein paar Adelige aus dem Ausland dort Elefanten jagen können", sagte Kampagnen-Direktor Alex Wilks gegenüber dem "Guardian".

Das Nomadenvolk der Masai lebt im Süden Kenias und im Norden Tansanias von Viehzucht. Das fragliche Gebiet grenzt an den Serengeti-Nationalpark, der als Reservat den großen Wildtieren Afrikas Schutz bieten soll.

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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