Panorama
Das Wrack wirkt fast unversehrt.
Das Wrack wirkt fast unversehrt.(Foto: AP)
Donnerstag, 26. Mai 2016

Alle Crew-Mitglieder an Bord: Taucher finden 1943 gesunkenes U-Boot

Vor 73 Jahren verschwindet HMS P311 in den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs. Vor Sardinien entdeckt ein Taucher nun das Wrack, das offenbar das Grab für 71 Menschen wurde.

Vor Sardinien haben italienische Taucher das Wrack eines britischen Unterseebootes gefunden, das seit 1943 vermisst war. HM Submarine P311 wurde in einer Tiefe von etwa 80 Metern, etwa 5 Seemeilen östlich der Insel Tavolara entdeckt, wie der britische "Telegraph" unter Berufung  auf den "Finder" Massimo Bodone berichtet.

Inzwischen ist das U-Boot Teil der Unterwasserwelt.
Inzwischen ist das U-Boot Teil der Unterwasserwelt.(Foto: AP)

Das U-Boot hatte im Dezember 1942 den Hafen von Malta verlassen, um sich an den alliierten Angriffen auf italienische Kriegsschiffe vor Sardinien zu beteiligen. Es war das einzige Schiff seiner Klasse, das nie einen Namen bekam. Es sollte auf den Namen HMS Tutanchamun getauft werden, dazu kam es jedoch nicht mehr. Denn HMS P311 verschwand im Januar 1943, wahrscheinlich, nachdem es von einer Mine getroffen wurde. Der 58-jährige Taucher und Wracksucher Bodone sagte italienischen Medien, er habe bei seinem Fund sofort an die Menschen denken müssen, die der Tod in der Tiefe ereilte.

Bodone zufolge ist das U-Boot noch intakt. Ein kleiner Schaden am Bug weise auf die Untergangsursache hin, ansonsten sei es "hermetisch verschlossen", hieß es auch von Paola Pegoraro vom L'Orso Tauchclub, die Bodone logistisch unterstützt hatten. "Als es getroffen wurde, sank es gerade nach unten, so dass es intakt und immer noch gut erhalten auf dem Meeresboden liegt, bedeckt von zahlreichen Meerestieren und einer bunten Unterwasserwelt", so Pegoraro.

Respekt für die Toten

Wahrscheinlich erstickte die Mannschaft, als der Sauerstoff in dem U-Boot erschöpft war. An Bord waren 71 Crewmitglieder, unter ihnen Kommandant Richard Cayley. Dessen Tochter, die inzwischen 82-jährige Jennifer Barker sagte der "Sun" nach der Entdeckung des Wracks: "Meine Güte, das ist eine Überraschung. Wenn das Boot intakt ist, bedeutet das wahrscheinlich, dass alle Körper noch drinnen sind."

Sie habe damals in der Schule vom Tod ihres Vaters erfahren. Eine Freundin hatte seinen Namen an einem Schwarzen Brett der "Times" gelesen. Kurz darauf sei sie in das Büro der Schulleiterin gerufen worden. Barker sprach sich gegen eine Hebung des Wracks aus. Ähnlich äußerte sich auch ein Sprecher der Royal Navy. Das U-Boot bleibe Eigentum Großbritanniens, er hoffe, dass dies entsprechend respektiert werde. Ohne zwingende Gründe werde man das Wrack nicht anrühren.

Quelle: n-tv.de