Panorama

Teile Londons gesperrt "Tee auf 1000-Pfund-Bombe getrunken"

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Tödliches Überbleibsel der deutschen Luftangriffe: Die Überreste der Weltkriegsbombe, so wie sie der Baggerfahrer im Erdreich fand.

(Foto: london-fire.gov.uk)

Sieben Jahrzehnte nach den deutschen Luftangriffen auf London holen die Schatten der Vergangenheit die Bewohner der britischen Hauptstadt ein. Unter einem Altersheim entdecken Bauarbeiter fast 500 Kilo Sprengstoff.

Der Fund einer großen deutschen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat im Zentrum Londons unweit der Tower Bridge zur Evakuierung hunderter Häuser und zweier Schulen geführt. Der 1,50 Meter lange und 455 Kilogramm schwere Blindgänger wurde bei Bauarbeiten im Stadtteil Bermondsey entdeckt, wie die Behörden mitteilten. Die Bombe lag dort rund 70 Jahre lang unter einem Altenheim.

Nach der Entdeckung der Bombe gingen die Behörden auf Nummer sicher: Der Fundort wurde in einem Umkreis von 400 Metern abgesperrt, der Verkehr umgeleitet. Der Sperrkreis rund um den Fundort blockiert wichtige Verkehrsverbindungen in der Londoner Innenstadt. Selbst die nahe gelegene Tower Bridge ist mit ihrer südlichen Zufahrtsstraße von den Sperrungen betroffen. Die Behinderungen im Stadtzentrum halten noch mindestens bis Dienstagmorgen an.

"Die Polizei kam gegen 10.00 Uhr am Vormittag und klopfte an meine Tür", berichtete ein Anwohner der britischen BBC den Beginn der Evakuierungen. "Sie sagten, ich sollte sofort das Haus verlassen. Es blieb nicht einmal Zeit, um das Notwendigste einzupacken." Die Betroffenen wurden aufgefordert, sich für die kommenden 24 Stunden eine andere Unterkunft zu suchen.

Einige von ihnen, so heißt es, seien von der Evakuierungsanordnung im Morgenrock überrascht worden. "Ich weiß nicht, wo ich hin soll", zitierten lokale Medien einen Betroffenen. "Ich darf ja noch nicht einmal zu meinem Wagen." Die Senioren des betroffenen Heims seien dagegen "stahlhart", kommentierte der Stadtverordnete im Bezirk Southwark, Lucas Green, die Lage. "Sie haben 70 Jahre lang Tee auf einer 1000-Pfund-Bombe getrunken."

Albtraum im Tiefbau

Der noch weitgehend intakte Blindgänger liege in einer Tiefe von zwei bis drei Metern, hieß es. Die Bergungsarbeiten solcher Blindgänger gelten als schwierig: Durch die lange Lagerung im feuchten Erdreich ist der Zustand der Zündmechanismen von außen kaum einzuschätzen. Der in der Bombe enthaltene Sprengstoff ist aller Wahrscheinlichkeit nach noch zündfähig.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, die schwierigen Bergungsarbeiten würden voraussichtlich am Dienstag fortgesetzt. Die deutsche Luftwaffe hatte im Rahmen der nationalsozialistischen Kriegspläne die britische Hauptstadt in den Kriegsjahren zwischen 1940 und 1941 intensiv bombardiert.

Bombenfunde sind daher eigentlich nichts Ungewöhnliches - ähnlich wie in Deutschland selbst, dass in den Jahren bis 1945 die Folgen verheerender Luftangriffe auf Innenstädte schließlich am eigenen Leibe zu spüren bekam. Im Londoner Stadtgebiet mussten in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben der London Fire Brigade insgesamt sieben Blindgänger entschärft werden.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP