Panorama

"Ich fühle mich wie Müll" Teenager schildert Gruppenvergewaltigung

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"Machismo mata": Mit dem Slogan demonstrieren Tausende Brasilianer gegen sexuelle Gewalt.

(Foto: AP)

Nach der brutalen Vergewaltigung durch mutmaßlich 33 Männer schildert die 16-Jährige Brasilianerin ihr stundenlanges Martyrium. Von den zwischenzeitlich festgenommenen Verdächtigen befinden sich indes alle wieder auf freiem Fuß.

Nach der brutalen Gruppenvergewaltigung in einer brasilianischen Favela äußert sich das 16-jährige Opfer in einem emotionalen Interview. Der brasilianischen Zeitung "O Globo" schilderte sie nun das Martyrium, welches sie über Stunden hinweg ertragen musste. Der Fall sorgt derzeit für Aufsehen: Mutmaßlich 33 Männer vergewaltigten das Mädchen und stellten Videos von ihrer Tat ins Internet.

"Ich dusche fünfmal am Tag und weine sehr viel. Ich fühle mich wie Müll", sagte der Teenager der Zeitung. Am schlimmsten seien jedoch die Schuldgefühle: "Die Menschen denken, ich bin schuld, weil ich eine kurzes Kleid an hatte und dort hingegangen bin. Aber es ist nicht die Frau, die schuld ist. Ich denke, es passiert auch gerade an einem anderen Ort, mit einer anderen Frau."

Unter K.o.-Tropfen gesetzt

Das Mädchen hatte offenbar ihren Freund, der in einer Favela in Rio de Janeiro lebt, besuchen wollen. Sie selbst, betont sie, wohne nicht in einer der zahlreichen Elendsviertel der brasilianischen Metropole. Im Zusammenhang mit der Tat sucht die Polizei offenbar auch nach dem 19-Jährigen Freund des Mädchens, berichtet das US-Portal news.com. Ob als Täter oder Zeuge, ließ ein Polizeisprecher offen. Die Beamten gehen davon aus, dass die Vergewaltiger während der Tat bewaffnet waren – mutmaßlich zur Einschüchterung. Die junge Frau wurde offenbar unter K.o.-Tropfen gesetzt und nackt an ein Bett gefesselt. Dann kam es zu der Gruppenvergewaltigung, die sich offenbar über Stunden hinzog.

"Ich erinnere mich an alles, was sie gesagt haben: "Du magst es doch auch, du bist ein verdammtes Luder", berichtete das Mädchen im Interview. Erst am Morgen sei sie schließlich aus ihrem Dämmerzustand erwacht und konnte – als Junge verkleidet – aus dem Viertel fliehen. Noch immer habe sie nicht im vollem Umfang realisiert, was sie durchgemacht habe: Sie sei nervös und unruhig. Auch wenn die äußerlichen Verletzungen auf den ersten Blick nicht allzu gravierend seien - "Schlimmer sind die Verletzungen meiner Seele", so die junge Frau.

Nachbarn entdecken Video im Netz

Von Nachbarn wurde die Familie auf ein im Internet kursierendes Video der mutmaßlichen Vergewaltigung der 16-Jährigen hingewiesen. Eltern und Großeltern brachten das Mädchen in ein Krankenhaus, die Polizei nahm zunächst vier verdächtige Männer vorläufig fest. Mittlerweile sind alle wieder auf freiem Fuß. Der vierte und letzte Verdächtige wurde nur wenige Stunden nach seiner Festnahme nach einem Polizeiverhör wieder entlassen. Er kam demnach aus Mangel an Beweisen wieder frei.

Schon am Freitag hatte die Zivilpolizei drei Verdächtige nach einer Vernehmung wieder freigelassen. Damit war am Wochenende zunächst keiner der mutmaßlich an der Tat beteiligten Männer in Gewahrsam. Die Polizei rückte indes mit 70 Beamten zu einem Einsatz im Armenviertel São José Operário aus, um weitere Verdächtige zu identifizieren. Bei dem Einsatz gab es eine Schießerei, verletzt wurde aber niemand.

Die Gruppenvergewaltigung der Teenagerin hatte in Brasilien Entsetzen ausgelöst. Die politische Führung des Landes sowie Frauenrechtsorganisationen verurteilten die Tat als "barbarisch", in mehreren Städten gab es Kundgebungen.

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP