Panorama

Giftspritze trotz IQ von 61 Texas tötet geistig Behinderten

Vor zwanzig Jahren wird Marvin Wilson zum Tode verurteilt, später stellt ein Gutachten fest: Der Mann ist geistig behindert. Doch andere Gutachten widersprechen. Nun wurde das Urteil in Texas vollstreckt. Die Statistik zeigt: Dieser Bundesstaat ist besonders gnadenlos.

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Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas.

(Foto: dpa)

Im US-Staat Texas ist ein möglicherweise geistig behinderter Mann hingerichtet worden. Das bestätigte ein Sprecher des Gefängnisses in Huntsville. Die Anwälte des 54-jährigen Marvin Wilson hatten geltend gemacht, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 61 habe und damit eindeutig geistig zurückgeblieben sei. Nach einem Grundsatzurteil des Obersten Gerichts der USA dürfen geistig Behinderte nicht exekutiert werden. Der Supreme Court selbst lehnte aber einen Exekutionsaufschub ab. Wilson starb durch eine Giftspritze.

Wilson war wegen der Ermordung eines Polizeispitzels 1992 zum Tode verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass der Test, bei dem der niedrige IQ festgestellt worden war, aus dem Jahr 2004 stamme und fehlerhaft gewesen sei. Andere Untersuchungen seitdem wiesen darauf hin, dass Wilson nicht als geistig behindert einzustufen sei. Auch die Art und Weise, wie er früher als Drogenhändler agiert und wie er den Mord ausgeführt habe, deuteten auf Fähigkeiten hin, die die eines geistig Behinderten überstiegen.

Über 500 Exekutionen in Texas seit 1976

In den vergangenen Wochen hatte ein ähnlicher Fall in Georgia für Aufsehen gesorgt. Dort sollte der verurteilte Mörder Warren Hill durch die Giftspritze sterben, obwohl er nach mehreren Gutachten einen Intelligenzquotienten von lediglich knapp 70 hat. Die Exekution war aber kurzfristig vom höchsten Gericht des Staates gestoppt worden, nachdem der 52-Jährige Einspruch gegen die Hinrichtungsmethode eingelegt hatte.

Die nun erfolgte Hinrichtung war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International die siebte in diesem Jahr in Texas. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 seien dort fast 500 Menschen exekutiert worden – das bedeutet mehr ein Drittel aller vollstreckten Todesurteile in den USA.

Quelle: n-tv.de, dpa

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