Panorama
Donnerstag, 01. April 2010

Klamauk und Frontalangriff: Theaterstück kritisiert NS-Prozess

Mit Klamauk, aber auch mit einer gehörigen Portion Tiefsinn versucht ein neues Theaterstück, die gesellschaftliche Instrumentalisierung von NS-Prozessen zu hinterfragen.

Klaus Cofalka-Adami als John Demjanjuk (l), Simone Mende als Fräulein (r) und Natalie Mukherjee als Rosie während einer Probe für das Stück "Die Demjanjuk-Prozesse" am Theater Heidelberg.
Klaus Cofalka-Adami als John Demjanjuk (l), Simone Mende als Fräulein (r) und Natalie Mukherjee als Rosie während einer Probe für das Stück "Die Demjanjuk-Prozesse" am Theater Heidelberg.(Foto: dpa)

Unter dem Titel "Die Demjanjuk-Prozesse" bringt das Heidelberger Theater eine deutsche Erstaufführung auf die Bühne, in der ausgerechnet der gleichnamige 89-jährige mutmaßliche KZ- Wächter die Hauptrolle spielt. Dem kanadisch-jüdischen Autor Jonathan Garfinkel gelingt es dabei, auf dem schmalen Grat zwischen geradezu befreienden Schunkeln und Frontalangriff zu balancieren.

In dem knapp 100-minütigen Stück stellt der 36-Jährige weniger die Frage nach der Schuld John Demjanjuks. Er kritisiert vielmehr scharf die Art und Weise, wie Deutsche und Israeli der Nachkriegsjahre, aber auch die Überlebenden der Lager den gebürtigen Ukrainer in den beiden wesentlichen Prozessen als Symbol missbraucht hätten. "Demjanjuk ist eine Leinwand geworden, auf der sie ihren Disput über die Frage von Schuld und Gewissen projiziert haben", meint Garfinkel.

Der Autor greift für den Theaterabend auf Originalaussagen und Dokumente der Prozesse gegen Demjanjuk in Jerusalem und München zurück. Das Stück bezog sich ursprünglich auf das israelische Verfahren, bei dem Demjanjuk zunächst zum Tode verurteilt und in einer Revisionsverhandlung freigesprochen wurde. Für das Heidelberger Theater hat Garfinkel seine Fassung aktualisiert.

Der 89-jährige Demjanjuk gilt als einer der letzten NS-Verbrecher, die für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden sollen. Er ist angeklagt, 1943 an der Ermordung von 27.900 Juden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor beteiligt gewesen zu sein.

Quelle: n-tv.de

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