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"Die Schöpfung leidet" Theologe fordert Fleischverzicht

Ein katholischer Theologe fordert Christen dazu auf, an Weihnachten weniger Fleisch zu essen. Auch Puten, Hühner, Schweine und Rinder seien Teil der Schöpfung, die es zu bewahren gelte. Das ins Bewusstsein zu rufen, sei auch die Aufgabe der Kirche.

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Sind Vegetarier die besseren Christen?

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Gute Christen sollten nach Forderung eines katholischen Theologen zu Weihnachten weniger Fleisch servieren. "Ich bin empört darüber, wie sehr der Fleischkonsum als globales Problem verharmlost wird", sagte der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, Rainer Hagencord.

Das Institut gehört zur Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner und ist in seiner Ausrichtung bundesweit einzigartig. Schirmherrin ist die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall.

"Die Kirche spricht zwar immer von der Bewahrung der Schöpfung, aber Puten, Hühner, Schweine, Rinder tauchen dabei nicht auf", kritisierte Hagencord. Natur sei in dieser Perspektive nur eine Ressource, die man schön finde. "Meine Diagnose lautet: Die Mainstream-Theologie hat die Tiere ausgeblendet." Er werde zum Fest vegetarisch essen, sagte er.

Kirche als "Anwalt des Lebens"

Für Hagencord steht fest, dass die Kirche sich in die Diskussion um die Behandlung von Tieren einmischen muss. "Welche Institution ist denn außer uns noch unabhängig von der Pharma- und Fleischindustrie?" Die Kirche solle sich zum Anwalt des Lebens machen. "Die Formulierung, dass nur der Mensch eine Seele habe, findet man in der Bibel nicht." Im Römerbrief 8,22 sei vom Seufzen der Schöpfung die Rede und von der Befreiung aus der Sklaverei. "Das ist hochaktuell. Denn die Schöpfung hat noch nie so gelitten wie heute."

Der 1961 geborene Theologe Hagencord ist geweihter Priester, hat aber auch ein Staatsexamen in Biologie und Philosophie absolviert. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Verhaltensbiologie. Das Institut für Theologische Zoologie wurde vor genau einem Jahr gegründet.

Quelle: n-tv.de, dpa

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