Panorama

Ex-Spionagechef Wolf Tod am 9. November

Der frühere Geheimdienstchef der DDR, Markus Wolf, ist tot. Er starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 83 Jahren in seiner Berliner Wohnung. Nach Angaben aus seiner Familie starb Wolf am 9. November - der Tag, an dem vor 17 Jahren die Mauer fiel. Wolf war der Sohn des Schriftstellers Friedrich Wolf, war in dritter Ehe verheiratet und Vater von vier Kindern.

Fast 30 Jahre lang war Wolf Chef der DDR-Auslandsspionage. Im Westen galt er lange Zeit als der "Mann ohne Gesicht": Bis 1978 existierte von Wolf kein Foto im Westen. Nach der Wiedervereinigung stand "die graue Eminenz der Spionagewelt" ganz oben auf der bundesdeutschen Fahndungsliste.

Markus "Mischa" Wolf wurde am 19. Januar 1923 im schwäbischen Hechingen geboren. 1933 emigrierte er mit seiner jüdischen Familie über Österreich, die Schweiz und Frankreich in die Sowjetunion. Dort wurde er Mitglied der KPD und studierte Flugzeugbau. Nach einer Beschäftigung als Journalist für Rundfunksender in Moskau und Berlin wechselte Wolf 1949 zur DDR-Mission in Moskau. 1952 wurde er Leiter des Außenpolitischen Nachrichtendienstes.

Seit 1956 stand Wolf an der Spitze der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und war einer der Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke. Einer der ersten von 4.000 Auslandsagenten, die Markus Wolf führte, war "Kanzlerspion" Günther Guillaume, über den der damalige Bundeskanzler Willy Brandt im Mai 1974 stürzte.

1986 quittierte Wolf im Rang eines Generalobersts den Dienst beim MfS und widmete sich der Vollendung eines Projekts seines verstorbenen Bruders, des DEFA-Regisseurs Konrad Wolf. In dem daraus entstandenen, 1989 erschienenen Buch "Troika" und in späteren Interviews zeigte sich Wolf verhalten kritisch gegenüber der DDR.

Nach dem Zusammenbruch der DDR lehnte Markus Wolf diverse Ämter als Berater ab und floh vorübergehend nach Moskau, um einem Haftbefehl in Deutschland zu entgehen. 1991 kehrte Wolf zurück und wurde 1993 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu sechs Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt. Das Urteil wurde 1995 vom Bundesgerichtshof teilweise aufgehoben. In Beugehaft saß Wolf, weil er sich auch noch Jahre nach dem Untergang der DDR weigerte, Namen seiner einstigen Mitarbeiter zu nennen. Wolf sah sich bis zum Schluss als Opfer einer "Siegerjustiz".

Quelle: ntv.de