Panorama

Mordanklage gegen fünf Verwandte Tödlicher Exorzismus-Fall kommt vor Gericht

64321329.jpg

In einem Zimmer des Frankfurter Hotels "Intercontinental" kam es zu dem grausamen Mord.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Dezember stirbt eine 41 Jahre alte Südkoreanerin, nachdem sie über Stunden in einem Hotelzimmer gequält worden ist - von der eigenen Familie. Sie hätten ihr den Teufel austreiben wollen, sagen die Täter. Die Staatsanwaltschaft spricht von Mord.

Im Fall der Teufelsaustreibung mit tödlichem Ausgang in einem Frankfurter Hotel ist gegen fünf Mitglieder einer südkoreanischen Familie Mordanklage erhoben worden. Die 44 Jahre alte Cousine des Opfers, deren 22 Jahre alter Sohn und ihre 19-jährige Tochter sowie zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten, wie Sprecherin Nadia Niesen von der Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte.

Sie sollen die 41-jährige Südkoreanerin am 5. Dezember vergangenen Jahres im Frankfurter Hotel "Intercontinental" zu Tode gequält haben. Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Frau in den frühen Morgenstunden aus ungeklärten Gründen angefangen, um sich zu schlagen, Selbstgespräche zu führen und körperlich aggressiv zu werden. Die Familie der Getöteten - darunter auch ihr 16-jähriger Sohn - habe daraufhin beschlossen, einen Exorzismus durchzuführen.

Sie hätten die Frau auf den Boden gedrückt, ihre Arme und Beine festgehalten, massiv auf Brustkorb und Bauch gedrückt und ihr zunächst ein kleines Handtuch in den Mund gedrückt, um ihre Schreie zu dämpfen. Später stopften sie ihr den Angaben nach auch einen mit Stoff bezogenen Kleiderbügel in den Mund. "Insgesamt fügten sie der Geschädigten über mindestens zwei Stunden Schmerzen und Qualen körperlicher Art zu, die über das für die Tötung erforderliche Maß weit hinausgingen", sagte Niesen.

Angeklagte sind voll schuldfähig

Die Familie habe billigend in Kauf genommen, dass die Frau erstickte. Wie es weiter hieß, riefen die Verwandten nach der Tat einen Pfarrer aus der koreanisch-evangelischen Kirchengemeinde in Frankfurt an. Er fuhr zum Hotel und rief die Polizei, nachdem er die Tote in dem Hotelzimmer entdeckt hatte. Die Beamten nahmen die Familienmitglieder fest. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft.

Wie die "Hessenschau" berichtete, sind alle Angeklagten als voll schuldfähig eingestuft worden. Ein Psychiatrisches Gutachten habe "keine Hinweise auf das Vorliegen seelischer Störungen" ergeben, "die eine verminderte oder aufgehobene Schuldfähigkeit begründen könnten".

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

Mehr zum Thema