Panorama

Schwere Schäden Tornado über Nottuln

Ein Wirbelsturm hat in einem Wohngebiet im münsterländischen Nottuln eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Innerhalb weniger Sekunden zog der Tornado am Montagabend über den Ortsteil Appelhülsen hinweg: Dächer wurden abgedeckt, Schornsteine stürzten herab, Dachpfannen und Abdeckplatten flogen wie Geschosse durch die Luft, wie Hausbesitzer und Nachbarn berichteten. Nach Auskunft des Bürgermeisters von Nottuln, Peter Amadeus Schneider, sind etwa 20 Häuser betroffen. "Niemand wurde verletzt, das ist enormes Glück", sagte Schneider nach einem Rundgang durch das Gebiet.

Für kurze Zeit war der Wirbelsturm weithin sichtbar. Aus einem Gewitter entwickelte sich der für Tornados typische rüsselartige Wolkenschlauch. Autofahrer auf der nahen A43 alarmierten gegen 19.00 Uhr die Polizei. Anrufe von Anwohner gingen nahezu zeitgleich bei den Leitstellen ein. Polizeikräfte und die Feuerwehr rückten aus und sperrten das betroffene Gebiet ab. Da niemand verletzt wurde und auch keine Evakuierungen notwendig wurden, beschränkte sich der Einsatz auf Absperr- und erste Aufräumarbeiten. "Eine Stunde nach dem Wirbelsturm hatte sich die Lage stabilisiert. Sämtliche betroffene Häuser sind bewohnbar", fasste Schneider zusammen.

"ein riesiges Teil" fliegt durch die Luft

Von den dramatischen Minuten des Vorabends ist in Appelhülsen nicht mehr viel zu sehen. Lediglich emsig arbeitende Dachdecker auf einigen Häusern, zerbrochene Fensterscheiben und zusammengekehrte Schutthaufen zeugen von den Wetterkapriolen. Bei manchen Häusern fehlen halbe Dächer.

Einige Hausbesitzer aus dem Neubaugebiet berichten von einem dreimal drei Meter großen Trampolin, das von der "Windhose" in die Luft gerissen wurde. 400 Meter hat es der Wirbelsturm davongetragen bis es auf einer Wiese landete. "Als ich aus dem Fenster geguckt habe, sah ich ein riesiges Teil durch die Luft fliegen, wie ein Segelflugzeug, bestimmt 60 Meter hoch. Ich dachte, es wäre Pappe, aber es war das Trampolin", berichtet der 67-jährige Manfred Rickert, der das "Flugobjekt" aus seinem Bürofenster beobachtete.

Nachbarschaftshilfe bewährt sich

"Es war auf einmal unheimlich stürmisch. Als ich rausgegangen bin, flogen Pappe, Glas und Wolle gleichzeitig durch die Luft", erzählt Josef Kötter (69). Er hatte Glück, sein Haus ist nicht betroffen. Bei Barbara und Andreas Schäfer sieht es schlimmer aus: Überall um ihr Haus herum liegen zerbrochene Dachpfannen, eine Jalousie verschließt ein zu Bruch gegangenes Fenster. "Es hat kräftig geregnet. Und plötzlich, als wäre ein Schalter umgelegt worden, hörte es sich an, als ob uns das Dach wegfliegt und das war ja dann auch der Fall. Draußen sah man nur so etwas wie Qualmwolken", schildert Barbara Schäfer ihre Eindrücke.

Kaum zwanzig Meter weiter liegt das Haus von Holger Wiglinghoff. Auch in seiner Einfahrt liegen zersplitterte Dachpfannen, nur: "Die gehören nicht mir und auch nicht meinen Nachbarn, keine Ahnung woher die kommen. Ich habe Glück gehabt, bei mir sind nur ein paar Pfannen runtergekommen", berichtet der 39-Jährige.

Als Bürgermeister Schneider von seinem Rundgang in sein Rathaus-Büro zurückkehrt, hat er vor allem lobende Worte für die Hilfe der Menschen untereinander. Neben dem professionellen Krisenmanagement der rund drei Dutzend Helfer von Freiwilligen Feuerwehren und Polizei habe sich die Nachbarschaftshilfe "bewährt": "Einige haben am Dienstag gleich Urlaub genommen, um nebenan zu helfen."

Quelle: n-tv.de