Panorama
Ein Land und seine Attraktionen: Turkmenistan will Abenteurer ans "Tor zur Hölle" locken.
Ein Land und seine Attraktionen: Turkmenistan will Abenteurer ans "Tor zur Hölle" locken.
Dienstag, 08. Juli 2014

Einladung ans "Tor zur Hölle"?: Turkmenistan lockt Touristen an

Es ist ein Naturphänomen ganz unnatürlichen Ursprungs: Tief in der Wüste am Kaspischem Meer schlagen seit Jahrzehnten geheimnisvolle Flammen aus dem Boden. Die Tourismusbehörde will das "Tor zur Hölle" nun für Touristen öffnen.

Trocken, abgelegen, unwirtlich - und geologisch hoch interessant: Die Landschaft der Karakum-Wüste bietet nicht nur Geologen ganz eigene Reize.
Trocken, abgelegen, unwirtlich - und geologisch hoch interessant: Die Landschaft der Karakum-Wüste bietet nicht nur Geologen ganz eigene Reize.(Foto: turkmenistan.gov.tm)

Ist es wirklich der Einstieg zur Unterwelt? Wer in Turkmenistan zum "Tor der Hölle" fahren will, wird von ortskundigen Führern in die staubtrockenen Weiten der Karakum-Wüste geführt. Dort gibt es ein schaurig-unheimliches Naturphänomen zu besichtigen: Am Derweze-Krater, etwa 270 Kilometer nördlich der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat, züngeln nun schon seit mehr als 40 Jahren mysteriöse Flammen in den Himmel. Nun soll der brennende Krater im Herzen einer nahezu menschenleeren Landschaft zu einer Touristenattraktion werden.

"Es nimmt den Atem und jagt Angst ein", schildert Gosel Jaskuliewa, eine 34-jährige Besucherin aus Aschgabat, ihre Eindrücke vom Rand des Kraters. "Ich verstehe, dass man den Ort das 'Tor zur Hölle' nennt. Man denkt sofort an seine Sünden und hat das Bedürfnis zu beten." Das Großfeuer brennt seit 1971 und stößt glühendheiße Böen aus. Nachts leuchten die Flammen orangefarben in den Himmel. Sie zeugen von einem riesigen Erdgasfeld im Boden unter der Wüste.

Nur wenige Ausländer haben das Phänomen bisher gesehen. Denn auch fast ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Sowjetunion gehört Turkmenistan zu den isolierten Ländern der Welt. Jährlich kommen lediglich 12.000 bis 15.000 Touristen aus rund 50 Ländern in die ehemalige Sowjetrepublik. Im Norden grenzt Turkmenistan an die leeren Steppen Kasachstans und an die unwirtlichen Berge Usbekistans. Im Südwesten liegt der Iran, im Südosten teilt sich Turkmenistan eine Grenze mit Afghanistan.

Viele Reisende kommen hier bislang nicht durch. Die Region ist abgelegen und liegt in einem geopolitisch unsicheren Winkel. Nun aber will die Tourismusbehörde den Derweze-Krater - benannt nach dem Distrikt, in dem er liegt - zu einem Ziel für Abenteuer-Reisende aus aller Welt aufbauen.

Verhängnisvolle Test-Bohrung

"Der brennende Krater erregt jedes Jahr mehr Interesse, vor allem bei ausländischen Touristen", erklärt ein Vertreter des staatlichen Tourismuskomitees. "Die 'leblose' Wüste könnte bald zu einem überaus interessanten Reiseziel für verschiedene Arten von Tourismus werden - vom Ökotourismus bis zu extremen Sportarten."

Die Karakum-Wüste (wörtlich: "Schwarzer Sand") bedeckt etwa 80 Prozent der Landfläche in der zentralasiatischen Republik. Im Sommer steigen die Temperaturen hier auf mehr als 50 Grad Celsius, im Winter sinken sie auf bis zu minus 20 Grad ab. Zu dem etwa 20 Meter tiefen und 70 Meter breiten Derweze-Krater weisen keine Schilder, nur ortskundige Führer kennen den Weg.

Das Naturschauspiel entstand durch eine Fehlberechnung von Wissenschaftlern. "Sowjetische Geologen begannen 1971 an dieser Stelle mit Sondierungsbohrungen für Gas", erzählt der turkmenische Geologe Anatoli Buschmakin. "Plötzlich bohrten sie in einen unterirdischen Hohlraum und es bildete sich ein tiefer Trichter. Das Bohrgerät stürzte ein, doch glücklicherweise wurde niemand getötet."

Symbol einer Rohstoffmacht

Die Fachleute entschlossen sich, das aus dem Krater ausströmende Gas abzufackeln. "Sie dachten, es würde schnell abbrennen und dann würden auch die Flammen ausgehen", erklärt Buschmakin. Doch stattdessen entzündeten sie ein ewiges Feuer - eindrucksvolles Symbol für Turkmenistans gewaltige Gasreserven. Es sind angeblich die viertgrößten der Welt.

Trotz der Gefahren ist die Grube nicht abgezäunt. Wer Nervenkitzel sucht, kann bis zum Kraterrand gehen, obwohl der sandige Untergrund häufig abbröckelt. "Ausländische Touristen haben gemischte Gefühle, sie sind erstaunt vom Anblick aber auch von der Verschwendung des turkmenischen Volkes, das das Gas einfach seit so vielen Jahren brennen lässt", sagt Begli Atajew, ein Reisebüro-Angestellter aus Aschgabat. Tatsächlich versuchten turkmenische Fachleute bereits, die Flammen zu löschen - ohne Erfolg.

Quads und Kamele

Im vergangenen Jahr wies die Regierung in der Karakum-Wüste auf 90.000 Hektar ein staatliches Schutzgebiet aus, das auch den Derweze-Krater einschließt. "Hauptaufgabe des Schutzgebietes ist es, eine der größten Wüsten des Planeten zu erhalten und seine Umweltprobleme zu lösen", sagt Oves Kurbanow vom nationalen Institut für Wüsten, Flora und Fauna.

"Highlights wie der brennende Krater sind sowohl für Reisefans als auch für Forscher hochinteressant." Reisende könnten nach Darstellung der Tourismusbehörde in Jeeps und mit Quad-Bikes auf Safari gehen oder auf Kamelen an den Wanderdünen entlang reiten. Doch dafür müssten zunächst Straßen verbessert und Hotels gebaut werden.

Quelle: n-tv.de