Panorama

Prozessauftakt in Berlin U-Bahn-Schubser kündigt Aussage an

54d166601b5b1394f193a8547a3da984.jpg

Hamin E. war mehrfach stationär in der Psychiatrie untergebracht, er soll an Schizophrenie leiden.

(Foto: dpa)

Dieses Verbrechen schockierte Berlin: Eine 20-jährige Frau wird Anfang des Jahres vor die U-Bahn gestoßen. Amanda K. ist sofort tot. Nun wird ihrem Mörder der Prozess gemacht. Der Mann will nichts bestreiten - doch er gilt als schuldunfähig.

Amanda K. war zur falschen Zeit am falschen Ort. Es war 23.35 Uhr, als die 20-Jährige Deutsch-Schwedin am 19. Januar auf dem Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz stand. Sie schrieb ihrer Mutter noch eine SMS: "Bin gleich zu Hause. Ich liebe dich." Als die U-Bahn einfährt, tritt ein stämmiger Mann an die junge Frau heran und schubst sie. Sie sei "mit voller Wucht auf die Schienen gestoßen worden", sagt ein Zeuge später. Die junge Frau hat keine Chance. Sie fällt ins Gleisbett und wird überrollt. Amanda K. ist sofort tot.

Acht Monate nach der grausamen Tat wird dem mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Berlin der Prozess wegen Mordes gemacht. Der 29-jährige Hamin E. kündigte beim Auftakt eine Aussage an. Diese werde am zweiten Verhandlungstag erfolgen, erklärten die Verteidiger. Ihr Mandant werde "nicht bestreiten".

In ersten Befragungen hatte der gebürtige Hamburger geschwiegen. Nach seiner Festnahme wurde K. in die Gerichtspsychiatrie eingewiesen. Er soll seit Jahren unter erheblichen psychischen Problemen leiden. Zudem beschäftigte der Mann ohne erlernten Beruf seit Jahren Polizei und Justiz.

Er war den Angaben zufolge 15 Jahre alt, als er in Hamburg wegen Körperverletzung und Raubes zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde. Seit seiner Jugend war der Beschuldigte häufig in stationärer Behandlung. Zuletzt hatte sich der 29-Jährige am 1. Januar 2016 in Hamburg in Behandlung begeben. Am 18. Januar wurde er entlassen - Angaben zufolge wegen "fehlender akuter Eigen- und Fremdgefährdung".

Die Eltern der Getöteten sind als Nebenkläger am Prozess beteiligt, erschienen zum Auftakt aber nicht persönlich. "Es belastet sie zu stark", erklärten ihre Anwälte. Vor dem Hintergrund der Vergangenheit des Beschuldigten sei nun auch zu prüfen, ob möglicherweise in Institutionen in Hamburg Fehler passiert seien.

Berlins Innensenator Frank Henkel hatte nach dem Verbrechen gesagt: "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde." Die Staatsanwaltschaft geht von Schuldunfähigkeit des Mannes aus und strebt eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an. Fünf Prozesstage bis Mitte Oktober sind vorgesehen.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa