Panorama

"Nicht nur schwarze Schafe" US-Ärzte horten Medikamente für sich selbst

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Anfang der Woche erklärte der Pharmaverband ASHP, Hydroxychloroquin werde knapp.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie machen zwei Wirkstoffe gegen Malaria Hoffnung: Sie könnten auch bei der Behandlung der Lungenerkrankung Covid-19 helfen. In den USA hat das einen Ansturm auf die Malaria-Mittel gesorgt. Selbst Ärzte hamstern für sich und ihre Familien.

In mehreren US-Bundesstaaten schlagen Apotheker Alarm, nachdem Ärzte sich selbst und ihren Familienangehörigen massenweise Rezepte für möglicherweise wirksame Medikamente gegen die Lungenerkrankung Covid-19 ausgestellt haben. Wie die "New York Times" berichtet, habe das Horten der Arzneien in Idaho, Kentucky, Ohio, Nevada, Oklahoma, North Carolina und Texas inzwischen besorgniserregende Ausmaße angenommen.

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Konkret handele es sich bei den Medikamenten um Chloroquin und Hydroxychloroquin - zwei Wirkstoffe, die US-Präsident Donald Trump in mehreren Pressekonferenzen als vielversprechend im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie bezeichnet hatte. "Das ist ein großes Problem", sagte Jay Campbell, Vorsitzende des Apothekenverbands in North Carolina, der Zeitung. "Es handelt sich nicht mehr nur um ein paar schwarze Schafe."

Die Behörden aller stark betroffenen Bundesstaaten haben mit Notfallbeschränkungen oder neuen Richtlinien auf die Bevorratungsversuche durch Ärzte reagiert. Die nachgefragten Arzneimittel - zum Beispiel das Präparat Plaquenil - sollen demnach nur noch dosiert ausgegeben werden. Laut Bericht dürften weitere Bundesstaaten diesem Beispiel folgen.

"Ist das ethisch?"

Die beiden Wirkstoffe Chloroquin und Hydroxychloroquin werden vor allem zur Behandlung von Malaria, Lupus oder rheumatoider Arthritis eingesetzt. Beide Wirkstoffe sind bisher nicht zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Allerdings werden sie aktuell auf ihre Wirksamkeit gegen die vom Coronavirus verursachte Lungenerkrankung getestet. Das hat für einen Ansturm auf Malaria-Mittel gesorgt. Bereits Anfang der Woche erklärte der US-Pharmaverband ASHP, Hydroxychloroquin werde knapp.

Die Zeitung zitiert mehrere Apotheker, die ihre Erfahrungen via Facebook geteilt hatten. "Ich habe viele Ärzte, die für sich und ihre Familienangehörigen Rezepte als Vorsichtsmaßnahme ausstellen", habe einer von ihnen geschrieben - und gefragt: "Ist das ethisch?" Ein anderer schilderte demnach, er sei als Kommunist beschimpft worden, nachdem er einem Arzt die Ausgabe eines Medikaments für sich selbst verweigert habe.

In den USA droht die Epidemie völlig außer Kontrolle zu geraten. Innerhalb von 24 Stunden stieg die Zahl der Neuinfektionen um knapp 10.000 auf aktuell 53.852 Fälle. Mit Abstand am schwersten betroffen ist weiterhin der Bundesstaat New York. Allein dort erhöhte sich die Zahl der Ansteckungen um rund 5000 Fälle - auch an der Westküste ist die Lage weiter dramatisch.

Quelle: ntv.de, jug