Panorama

Aufruf zum Anhalten nicht befolgt US-Polizist erschießt gehörlosen Fahrer

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Vor der Haustür des 29-jährigen Daniel Harris kam es zu den tödlichen Schüssen.

(Foto: Screenshot/WCNC)

Ein neuer, tragischer Fall von Polizeigewalt erschüttert die USA: In North Carolina erschießt ein Streifenbeamter einen gehörlosen 29-jährigen Mann, nachdem er auf die Polizeisirene nicht reagiert hat. Warum der Polizist auf den Unbewaffneten feuert, ist ein Rätsel.

Ein Polizist in den USA hat einen gehörlosen Autofahrer in Charlotte, North Carolina, erschossen, nachdem dieser der Aufforderung zum Anhalten nicht gefolgt war. Der Tod des 29-jährigen Daniel Harris, der sich im Alltag nur durch Gebärdensprache verständigte, werde untersucht. Der Polizist sei beurlaubt worden, teilte die Verkehrspolizei im US-Bundesstaat North Carolina mit.

Wegen überhöhter Geschwindigkeit habe der Beamte Harris stoppen wollen, hieß es in einer Erklärung. Nach einer Verfolgungsjagd über mehrere Kilometer habe er dann erst vor seinem Haus angehalten. Dort sei es "zu einer Begegnung gekommen", in deren Verlauf der Polizist geschossen habe. Die genauen Umstände würden nun untersucht. Im Raum steht vor allem die Frage, ob es für den Beamten keine andere Möglichkeit gab als zu schießen.

Harris war von schmächtiger, recht kleiner Statur. Sollte sich der Beamte tatsächlich bedroht gefühlt haben, hätte er ihn Medienberichten zufolge auch mithilfe eines Tasers oder Pfefferspray unter Kontrolle bringen können. Nach Informationen des lokalen TV-Senders WSOC war Harris unbewaffnet - dennoch habe der Polizist nur Sekunden, nachdem der 29-Jährige aus seinem Wagen gestiegen war, geschossen.

"Er hat die Sirene nicht gehört"

Zeugen berichteten, Harris habe noch versucht, per Zeichensprache mit dem Beamten zu kommunizieren. Ein Nachbar, der den Vorfall beobachtet hat, zeigte sich entsetzt über das Vorgehen des Polizisten. Harris habe "die Polizeisirene nicht gehört, er hat gar nichts gehört", sagte Mark Barringer dem Sender. Die Schüsse seien "absolut unakzeptabel".

Die Familie des Erschossenen richtete ein Spendenkonto ein, um Geld für die Bestattung zu sammeln. Überschüssige Mittel sollten einer Stiftung zugutekommen, die Polizisten im Umgang mit Gehörlosen schult. Zudem forderten sie, dass es für gehörlose Autobesitzer ein spezielles, gut sichtbares Symbol auf dem Kennzeichen geben müsse. "Mit dieser Änderung würde Daniel zum Helden für die Gehörlosen-Gemeinschaft werden", hieß es.

Quelle: ntv.de, jug/AFP