Panorama

Obama stoppt Bohrungen USA kämpfen gegen Ölpest

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Erste Hilfe: Der Flügel dieses Tölpels sollte eigentlich weiß sein.

(Foto: AP)

Alle Versuche, die Ölpest doch noch zu verhindern, sind gescheitert: Der Ölteppich erreicht die US-Küste, die ersten Bundesstaaten rufen den Notstand aus, Tier- und Pflanzenwelt stehen vor einer Katastrophe. Obama verspricht schnelle Hilfe - der Präsident gerät aber zunehmend unter Druck. BP bekennt derweil Verantwortung und will die Schäden beseitigen.

In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit haben die USA damit begonnen, doch noch die drohende Ölpest beispiellosen Ausmaßes an ihrer Südküste zu verhindern. "Wir schaffen alles heran, um den Ölteppich zu bekämpfen", sagte Konteradmiralin Sally Brice-O'Hara von der Küstenwache. Erste Ausläufer des riesigen Ölteppichs, der sich nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko gebildet hat, erreichten die Küstengewässer, die für ihre reichen Fischgründe und Rückzugsgebiete für Vögel berühmt sind.

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Alle bisherigen Bemühungen, den Ölteppich zu stoppen, sind gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden Tausende Sperren ins Wasser gelassen. Präsident Barack Obama sicherte zu, alle notwendigen Schritte zur Eindämmung des Ölteppichs einzuleiten, der mittlerweile 193 Kilometer lang ist. Die Streitkräfte verstärkten ihre Abwehrmaßnahmen. Verteidigungsminister Robert Gates prüfte eine Anfrage aus Louisiana, den Einsatz von bis zu 6000 Nationalgardisten zu bezahlen.

Bereits am Vortag hatten die Helfer Pläne aufgegeben, den auf die Küste zutreibenden Ölteppich durch kontrollierte Brände aufzulösen. Er ist mittlerweile bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen. Die bislang verlegten Barrieren mit einer Länge von 61 Kilometern reichten nach Angaben der Experten längst nicht aus, um das Öl von Louisianas Küste fernzuhalten.

Obama gerät unter Druck

Auf dringende Bitte des Präsidenten sollten sich Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und andere Regierungsmitglieder bei einem Überflug über das betroffene Seegebiet einen Eindruck verschaffen. Napolitano erklärte die Ölpest zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung. Damit können Bundesmittel zur Unterstützung der Bundesstaaten mobilisiert werden. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief noch am Donnerstag den Notstand aus. Sein Kollege Charlie Crist aus Florida folgte nun und verhängte über die als Pfannengriff bekannten Kreise im Nordwesten des Bundeslandes den Notstand.

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Obama gerät durch die drohende Katastrophe unter Handlungsdruck.

(Foto: AP)

Obama erklärte im Weißen Haus, seine Regierung werde weiterhin alles zur Bereinigung der Katastrophe beitragen, was nötig sei. 1900 staatliche Helfer seien bereits am Golf von Mexiko stationiert. 300 Schiffe und Flugzeuge seien vor der Küste Louisianas im Einsatz. Außerdem würden sämtliche Ölplattformen vor den US-Küsten derzeit auf ihre Sicherheit überprüft.

Der Präsident steht bei der Krisenbewältigung unter erheblichem Erwartungsdruck. Seinem Vorgänger George W. Bush war vorgeworfen worden, zu spät auf den Hurrikan "Katrina" reagiert zu haben, der das gleiche Gebiet 2005 verwüstet hatte. Auch Obamas Regierung wird kritisiert, zu spät auf die sich abzeichnende Katastrophe reagiert zu haben.

BP übernimmt Verantwortung

Der Präsident bekräftigte, an der nationalen Förderung von Öl als Beitrag zur Energiesicherheit festzuhalten. Das müsse aber verantwortungsbewusst geschehen. Künftig würden Genehmigungen für Bohrungen vor der Küste nur erteilt, wenn die Sicherheit für Arbeiter und Umwelt gewährleistet seien. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich die Öl- und Gassuche in küstennahen Gewässern gebilligt, die nun erst einmal ausgesetzt wurde.

Der Ölkonzern BP als Haupteigner der "Deepwater Horizon" erklärte sich inzwischen bereit, wie von Obama verlangt für die Beseitigung der Folgen aufzukommen. Firmechef Tony Hayward sagte, das Unternehmen übernehme die volle Verantwortung, werde "saubermachen" und "berechtigte Ansprüche" von Betroffenen erfüllen.

"Das ist ein Desaster"

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Aller Versuche, das Öl bereits auf dem Meer zu beseitigen, sind misslungen.

(Foto: REUTERS)

Der Fischerei und dem Tourismus in der Region, die sich gerade erst von den Folgen "Katrinas" erholt haben, drohen schwere Schäden. Kontrollflüge der Küstenwache erbrachten, dass die ersten regenbogenfarbigen Anzeichen des Ölteppichs nur noch wenige Meter von einem Naturschutzgebiet im US-Bundesstaat Louisiana entfernt waren. Experten gehen davon aus, dass das Öl Umweltschäden anrichten wird, die nur schwer zu beseitigen sein werden.

In Florida, Alabama und Mississippi ist die Fischerei in Gefahr, die das Hauptstandbein der örtlichen Wirtschaft ist. Die US-Ratingagentur Fitch bezifferte den wirtschaftlichen Schaden auf zwei bis drei Milliarden Dollar (1,5 bis 2,2 Milliarden Euro).

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Nicht nur Seevögel sind von der treibenden Ölpest betroffen.

(Foto: AP)

Umweltschützer zeigten sich besorgt über die Lage im Golf von Mexiko. "Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe", sagte ein Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian, in US-Medien. Die Küstengewässer und Sumpfgebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikanen sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Meeresfrüchten wie Austern, Krabben Muscheln und Fische.

Helfer beginnen mit Arbeit

An der Küste Louisianas bereiteten sich Biologen auf die Rettung von ölverschmierten Tieren vor, sagte Wildschutzexpertin Deslatte. "Wir durchforsten die Region nach Tieren, die durch das Öl in Not geraten", sagte sie. Spezielle Stationen seien zur Säuberung eingerichtet worden. Tausende Helfer sind an Land im Einsatz. Das Wetter arbeitet allerdings gegen sie: Starke Winde und eine raue See trieben den Ölteppich voran und verhinderten die Säuberungsarbeiten auf dem Meer. "Auch heute wird es nicht möglich sein, mit dem Abfackeln des Ölfilms fortzufahren", sagte ein Sprecher der Küstenwache

Auf der Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, das Leck in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.

Quelle: ntv.de, tis/rts/AFP/dpa

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