Panorama

Zwischenfall am Persischen Golf Rohöl-Tanker rammt US-Zerstörer

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Kein leichtes Ziel: Die USS Porter nach dem nächtlichen Crash mit klaffender Schramme an der Steuerbordseite.

(Foto: dpa)

Ein Schiffsunglück vor der iranischen Küste lässt Kapitäne auf allen Weltmeeren hellhörig werden: Ein japanischer Tanker stößt mit einem Kriegsschiff der US-Marine zusammen. Experten rätseln, wie das langsame Frachtschiff die hochgerüsteten Amerikaner überraschen konnte.

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Schwer bewaffneter Unfallgegner: Mit Absicht wäre es kaum möglich, mit einem Tanker einen Zerstörer zu rammen.

(Foto: dpa)

Ein Kriegsschiff der US-Marine ist nahe der Straße von Hormus mit einem japanischen Öltanker zusammengestoßen. Bei dem Vorfall wurde nach Angaben der Küstenwache des Omans niemand verletzt. Der Weg durch die nur rund 30 Kilometer breite Schifffahrtsstraße sei nicht beeinträchtigt, sagte ein Sprecher.

Die Kollision zwischen dem Lenkwaffen-Zerstörer "USS Porter" und dem unter panamaischer Flagge fahrenden Tanker "Otowasan" ereignete sich am frühen Sonntagmorgen, ungefähr vier Stunden vor Sonnenaufgang. Die Ursache blieb zunächst unklar. Der Tanker, der der japanischen Reederei Mitsui OSK gehört, war von Katar in die Vereinigten Arabischen Emirate unterwegs. Die USS Porter (Kennzeichen DDG-78) ist Teil der Trägerkampfgruppe der 5. US-Flotte rund um den Flugzeugträger " ".

Durch die Straße von Hormus fahren jeden Tagen etliche Öltanker. Die Spannungen in der Region nahmen zuletzt zu: Im Streit über das iranische Atomprogramm hat die Islamische Republik gedroht, die Meeresenge zu blockieren. Die US-Marine ist in dem Gebiet stark vertreten.

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Politisch brisanter Unfallort: Die Straße von Hormus bindet wichtige Ölförderstaaten an den Weltmarkt an.

Für Experten blieb der Vorfall mysteriös: Allein mit dem großen Verkehrsaufkommens in der Straße von Hormus ließe sich der Crash nicht erklären, hieß es. Denn Rohöl-Tanker bewegen sich in der Regel mit konstanter Geschwindigkeit und sind selbst auf zivilen Radargeräten nicht zu übersehen. Schon allein aufgrund ihrer Größe sind überraschende Kursänderungen bei Tankschiffen nicht zu erwarten - und auch nicht möglich. Die Otowasan ist fast doppelt so lang und breit wie der US-Zerstörer und um Einiges schwerfälliger. Für einen Nothalt aus voller Fahrt muss ein Tanker-Kapitän mehrere Kilometer Bremsweg einrechnen. Für das Kriegsschiff reicht eigentlich ein kurzes Signal an den Maschinenraum, um der Gefahr einer Kollision zu entgehen. 

Denn im Gegensatz zu einem ausgewachsenen Rohöltanker von der Größe der Otowasan stellen Zerstörer wie die USS Porter bei weitem schnellere und vor allem deutlich wendigere Schiffe dar. Als höchst unwahrscheinlich muss es gelten, dass die Besatzung des US-Kriegsschiffes die ankommende Otowasan übersehen haben könnte. Mitten in einem der am dichtesten befahrenen Seewege der Erde wäre es mehr als nur fahrlässig, den Ausguck am Radar auch nur für Minuten unbemannt zu lassen. Kurz vor der Küste des Iran verstieße die US-Navy zudem aller Wahrscheinlichkeit nach gegen ihren militärischen Auftrag, die Schiffsbewegungen in der Region im Auge zu behalten.

Schwer getroffen

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Wucht ist Masse mal Geschwindigkeit: Der Zusammenstoß riss die Schiffshülle auf.

(Foto: dpa)

Die USS Porter trägt als Schiffsmotto den Wahlspruch "Champion der Freiheit" und ist als Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse mit einem hochsensiblen elektronischen Wahrnehmungsapparat ausgerüstet. Dieses Warn- und Feuerleitsystem namens "Aegis" sollte sich näherende Fahrzeuge eigentlich bereits auf große Entfernungen erkennen und zuverlässig einordnen können. Die Radaranlagen sind dabei darauf ausgelegt, auch weitaus kleinere Bedrohungen als etwa einen langsam heranfahrenden Rohöltanker sicher zu identifizieren.

Der Bug der Otowasan traf die Porter offenbar mit bereits deutlich verlangsamter Fahrt auf der Steuerbordseite direkt unterhalb der Brücke auf der Höhe der Einsatzzentrale zur elektronischen Kampfführung. Die Kollision riss oberhalb der Wasserlinie ein etwa drei mal drei Meter großes Loch in die Außenhaut des Zerstörers. Nach Angaben der US-Navy wurde bei dem Zusammenstoß niemand verletzt, weder auf dem Kriegsschiff noch an Bord des Tankers. Zu etwaigen Schäden am Bug der Otowasan lagen zunächst keine Angaben vor.

Die zivile Seefahrt gefährdet?

Warum der Kapitän der Porter kein Ausweichmanöver einleitete und einen Zusammenstoß mit dem deutlich größeren und langsameren Schiff riskierte, ließen die Amerikaner in ihrer offiziellen Stellungnahme offen. Der Vorfall werde untersucht, hieß es lediglich.

Damit blieb für Laien und Schifffahrtsexperten reichlich Raum für Spekulationen: Wie konnte das US-Kriegsschiff vor den Bug des Tankers geraten? Warum ließ der befehlshabende Offizier es zu, dass sich die beiden Schiffe überhaupt in die Quere kommen konnten?

Denkbare Ursachen eines solchen Zusammenstoßes wären entweder Missverständnisse in der Befehlskette an Bord der Porter oder ein größeres technisches Versagen in der Antriebsanlage des Zerstörers - oder möglicherweise ein eklatantes seemännisches Fehlverhalten auf Seiten des US-Schiffes. Als leichter zu manövrierendes Gefährt kann sich die Porter kaum auf etwaige Vorfahrtsrechte berufen.

Während in der Branche noch spekuliert wird, erreichte die USS Porter unterdessen aus eigener Kraft den Hafen von Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Staaten, wo sie für eine erste Begutachtung der Schäden und anschließende Reparaturen festmachte. Nicht nur Versicherungsexperten dürften nun erste Ergebnisse der US-Navy-Ermittler mit Spannung erwarten.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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