Panorama

Zeuge filmte in Berlin mit Überfall auf Geldtransporter vor Gericht

124497700.jpg

Prozessauftakt vor dem Berliner Landgericht: Die Angeklagten werden erst danach vorgeführt. Der Prozess soll bis zum Februar dauern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Maskierte mit vorgehaltenen Waffen überfallen einen Geldtransporter nahe dem Berliner Alexanderplatz. Auf der Flucht feuern sie auf einen Polizeiwagen. Doch der Coup misslingt. Ein Zeuge filmt vom Balkon seiner Wohnung nahe des Alexanderplatzes mit. Drei der mutmaßlichen Täter stehen nun vor Gericht.

Mitten im hauptstädtischen Berufsverkehr erbeuten maskierte Männer sieben Millionen Euro, feuern mit einem Maschinengewehr und gehen am Ende doch leer aus: Knapp ein Jahr nach dem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter in der Berliner Innenstadt müssen sich drei Angeklagte vor dem Landgericht verantworten. Zum Auftakt des Prozesses schweigen die beiden Hauptangeklagten im Alter von 33 und 38 Jahren. Ihnen wird schwerer Raub vorgeworfen. Der Dritte (33), der wegen Beihilfe angeklagt ist, bestreitet die Vorwürfe.

Es geschah am frühen Morgen des 19. Oktober 2018 als nahe dem Berliner Alexanderplatz der Geldtransporter mit zwei Fahrzeugen ausgebremst und eingekeilt wurde. Mehrere vermummte Männer sprangen aus ihren Autos. Zwei der Täter hätten die Besatzung des Transporters mit Maschinengewehren "baugleich der Marke Kalaschnikow AK 47" in Schach gehalten und mit hydraulischem Spezialwerkzeug die gepanzerte Hecktür geknackt, heißt es in der Anklage. Als sich zufällig ein Polizeifahrzeug näherte, hätten die Täter den Überfall überstürzt abgebrochen und seien geflohen.

Die beiden Hauptangeklagten - ein gelernter Hauswirtschaftler und ein Gastronom - sollen zusammen mit einem bislang untergetauchten Komplizen und zwei noch unbekannten Mittätern den Überfall ausgeführt haben. Der 38-Jährige habe eines der Täterfahrzeuge gesteuert und auf der Flucht mehrere Unfälle mit Blechschaden verursacht, heißt es in der Anklage. Der jüngere Angeklagte soll zu den Männern gehört haben, die die Besatzung des Transporters bedroht hätten. Acht Geldkisten hätten die Räuber erbeutet. Eine Kiste mit zwei Millionen Euro fiel laut Anklage beim Beginn der rasanten Flucht aus dem Fahrzeug, in dem die beiden Hauptangeklagten und ein Dritter gesessen hätten.

Maschinengewehr war auf Dauerfeuer gestellt

Um die Polizei abzuschütteln, sei aus dem anderen Fluchtwagen "gezielt auf den nacheilenden Funkwagen" geschossen worden. Das Maschinengewehr, eine Kriegswaffe, sei auf Dauerfeuer eingestellt gewesen, führte der Staatsanwalt aus. Dass "nur" ein Schuss fiel und nicht mehr passierte, sei Zufall gewesen. "Es kam zu einer Ladehemmung." Als ihr Auto mit gebrochener Vorderachse und zerfetztem Reifen nicht mehr fahrtüchtig war, flohen die drei Insassen zu Fuß. Verletzt wurde niemand.

Der Verteidiger des 38-Jährigen erklärte in der Verhandlung, sein Mandant habe ein tiefes Misstrauen gegenüber den Ermittlungsbehörden. Sie hätten sich sehr früh auf ihn als Täter festgelegt. Bei der Polizei habe der 38-Jährige gesagt, er habe mit der Tat nichts zu tun. Zudem habe er dort erklärt, er sei keine der Personen, die auf einem Video zu dem Überfall zu sehen sind. Ein Augenzeuge hatte von einem Balkon aus einen Teil des Überfalls gefilmt, bei dem alle Beteiligten vermummt waren.

Der mutmaßliche Helfer erklärte über einen seiner Verteidiger, er habe weder von der Planung noch von der Ausführung der Tat Kenntnis gehabt. Zwar habe er "im Auftrag einer anderen Person" hydraulische Geräte beschafft, sei aber nicht davon ausgegangen, dass sie für einen Raub eingesetzt würden. Zudem habe er einen der Fluchtwagen im Sommer 2018 für eine andere Person beim Ordnungsamt auslösen sollen. Was damit Monate später geschehen würde, habe er nicht gewusst.

Hinweise auf Clan-Kriminalität?

DNA-Spuren, die in dem beschädigten Wagen gefunden wurden, hatten sechs Wochen später zur Verhaftung des 38-Jährigen geführt, erläuterte der Staatsanwalt am Rande des Prozesses. Kurze Zeit später sei der mutmaßliche Helfer gefasst worden. Beide kamen in Untersuchungshaft. Der dritte Angeklagte sitze seit Juli in U-Haft. Gegen die anderen mutmaßlich Beteiligten wird weiter ermittelt.

Auf die Frage, ob es in dem Fall Hinweise auf Clan-Kriminalität gebe, sagte der Ankläger: "Die Beweisaufnahme wird ergeben, ob es tatsächlich solche Beziehungen gibt oder nicht." Rund 120 Zeugen und mehr als 30 Verhandlungstage bis Februar 2020 sind geplant.

Quelle: n-tv.de, Von Anne Baum und Jutta Schütz, dpa

Mehr zum Thema