Panorama

Brauner Spuk bei "Berlin leuchtet" Übergroßer Hitler mit Nazi-Gebrüll irritiert

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Adolf Hitler schaut von der "Mall of Berlin"

(Foto: AP)

Gäste des Berliner Lichtfestivals erwartet diesmal ein Spektakel, das für Irritationen sorgen dürfte. Rote Fahnen und Adolf Hitler an der "Mall of Berlin", dazu Goebbels Gebrüll "Wollt ihr den totalen Krieg?".

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Millionen Touristen aus der ganzen Welt reisen Jahr für Jahr zum Festival "Berlin leuchtet" in die deutsche Hauptstadt. Diesmal bekommen die Gäste ein ganz spezielles Spektakel geboten. Am Leipziger Platz leuchtet ihnen ein übergroßer Adolf Hitler entgegen. Er rollt die Augen und lacht dabei irre. Rechts und links erstrahlen rote Fahnen an der Fassade der "Mall of Berlin". Dazu schallt aus Lautsprechern das Gebrüll des einstigen Reichspropagandaministers Joseph Goebbels: "Wollt ihr den totalen Krieg?"

Die ungewöhnliche Video-Animation, die den Leipziger Platz noch bis zum 24. Oktober zum riesigen Open-Air-Kino macht, ist eine Idee von Shopping-Center-Investor Harald Huth. Er wollte 150 Jahre Berliner Geschichte zeigen, darunter auch das unrühmliche Kapitel auf diesem Areal, dort, wo einst das jüdische Wertheim-Kaufhaus und das Mosse-Palais standen.

Neben Hitler sind unter anderem auch John F. Kennedy, Erich Honecker, Helmut Kohl und David Hasselhof zu sehen. "Mit dieser Kunstinstallation wird lückenlos deutsche Geschichte gezeigt", sagt "Berlin leuchtet"-Organisator Andreas Boehlke der "Bild"-Zeitung. "Sie muss als Ganzes betrachtet werden. Es wird nichts beschönigt, sondern ist eine klare Mahnung an alle. Das darf nie wieder passieren." Auch Stefan Ihmig, Mitglied der Künstlergruppe, sagt: "Wir inspirieren die Leute dazu, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Wir machen keine Nazi-Propaganda."

Keine Straftat

Der etwa 10 Sekunden lange Lichter-Nazi-Spuk, der sich nur einen Steinwurf vom Ort des Führerbunkers entfernt befindet, sorgte bereits bei einem Testlauf am Montag für Aufruhr. Irritierte Anwohner alarmierten die Polizei, doch die gab schnell Entwarnung.

Das Zeigen von Adolf Hitler - auch in dieser Größe an einer Hausfassade - sei rechtlich nicht zu bestanden. Das gelte auch für die Fahnen. "Es handelt sich um einen klaren geschichtlichen Kontext im Rahmen einer Kunstvorführung", zitiert die "Berliner Morgenpost" eine Sprecherin. "Selbst wenn die Flaggen statt der Rauten tatsächlich Hakenkreuze zeigen würden, wäre auch das nicht strafbar." Aufgrund der historisch-künstlerischen Einbettung greife Paragraf 86 a, der das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole verbietet, hier nicht.

Zum zwölften mal werden beim Berliner Lichtfestival herausragende Gebäude der Stadt illuminiert. Unter dem Motto "Licht verbindet" inszenieren Künstler aus aller Welt 70 Fassaden. "Die Installationen unterstreichen, dass in Berlin ein Zusammenleben in Toleranz und Freiheit möglich ist", so der Vorstandsvorsitzende von Berlin leuchtet e.V., Uwe Timm. Los geht's heute ab 19 Uhr.

Quelle: n-tv.de, dsi