Panorama

60 Jahre Haft für Anführer Ureinwohner verurteilen Farc-Rebellen

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Die Angeklagten wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Zur Verhandlung kamen mehr als 3000 Indigene.

(Foto: dpa)

Farc-Rebellen schalten und walten in manchen Gebieten Kolumbiens noch immer wie sie wollen. So bringen sie zwei Indianeranführer um - doch ihr Stamm wehrt sich und hält eine denkwürdige Gerichtsverhandlung ab.

Ein Gericht kolumbianischer Ureinwohner hat Mitglieder der Farc-Guerilla zu langen Haftstrafen und körperlicher Züchtigung verurteilt. Das härteste Urteil - 60 Jahre Gefängnis - erging am Sonntag nach vierstündiger Debatte gegen Carlos Ivan Silva. Er hatte die Tötung zweier Indianerführer in Toribío im westlichen Departamento Cauca gestanden. Die beiden Getöteten hatten eine Plakattafel entfernt, die an den getöteten obersten Farc-Kommandanten Guillermo León Sáenz alias Alfonso Cano erinnerte. Daraufhin brachte die Farc sie um.

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Ein Wächter der Nasa.

(Foto: dpa)

Die Gerichtsversammlung hielt der Stamm der Nasa ab. Sie verurteilte vier weitere Angeklagte zu jeweils 40 Jahren Haft. Das Urteil gegen zwei Farc-Kämpfer im Alter von 14 und 17 Jahren lautete auf 20 Peitschenhiebe für jeden. Die beiden Jugendlichen werden der Gerichtsentscheidung zufolge bis zu ihrem 18. Lebensjahr in einem Erziehungsheim untergebracht. Dann entscheidet eine erneute Gerichtsversammlung der Nasa über ihr weiteres Schicksal. Mehr als 3000 Ureinwohner nahmen an der Verhandlung teil.

Ureinwohner haben eigene Gerichte

Vor der Debatte hatte die Gerichtsversammlung den Bericht eines von den örtlichen Behörden ernannten Ermittlungsausschusses gehört. Der Prozess fand am Tag nach der Beerdigung der beiden Todesopfer statt. Einige der Verurteilten sind selbst Nasa.

Der letzten Volkszählung von 2005 zufolge sind 1,4 Millionen der mehr als 48 Millionen Kolumbianer Ureinwohner. Die kolumbianischen Verfassung gesteht indigenen Behörden auf ihren Territorien eine eigene Gerichtsbarkeit zu. Die Urteile dürfen nicht gegen die Verfassung und die Gesetze des Landes verstoßen.

Die kolumbianische Regierung führt seit November 2012 unter der Schirmherrschaft Kubas und Norwegens Friedensgespräche mit einer Farc-Delegation in Havanna. Die 1964 gegründeten Farc sind Kolumbiens größte Guerillaorganisation. Im Konflikt mit Regierungstruppen und Paramilitärs wurden in den vergangenen fünf Jahrzehnten nach amtlichen Angaben 220.000 Menschen getötet. Mehr als fünf Millionen Menschen wurden demnach in die Flucht getrieben.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP

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